1863–1914

Wo die Liebe hin fällt … Franz Ferdinands Ehe und Nachkommen

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Gegen den Widerstand des Kaisers setzte Franz Ferdinand seine Heirat mit Sophie Gräfin Chotek, seiner großen Liebe, durch.

Franz Ferdinand über die Ehegesetze des Hauses Habsburg: „Wenn unsereiner jemand gern hat, findet sich immer im Stammbaum irgendeine Kleinigkeit, die die Ehe verbietet, und so kommt es, daß bei uns immer Mann und Frau zwanzigmal miteinander verwandt sind. Das Resultat ist, daß von den Kindern die Hälfte Trottel und Epileptiker sind.“

zitiert nach Katrin Unterreiner: Die Habsburger. Mythos und Wahrheit, Wien / Graz / Klagenfurt 2011, S. 168

Die Gräfin stammte zwar aus dem alten böhmischen Adelsgeschlecht der Chotek von Chotkov und Vojnin, galt aber nach den habsburgischen Ehegesetzen als nicht ebenbürtig, da sie keinem souveränen Haus angehörte.

Die unstandesgemäße Heirat war auch eine wichtige Ursache für das schlechte Verhältnis zwischen Franz Ferdinand und Kaiser Franz Joseph. Der Erzherzog bewies bei der Durchsetzung seiner Ehe enorme Hartnäckigkeit. Erst nach langen Verhandlungen erhielt Franz Ferdinand im Jahr 1900 die Bewilligung zur Eheschließung, wobei er für seine (noch nicht geborenen) Kinder auf die Zugehörigkeit zum Haus Habsburg und die daraus erwachsenden Rechte verzichten musste. Seine Gattin Sophie wurde anlässlich der Hochzeit zur Fürstin (ab 1909 Herzogin) von Hohenberg ernannt – der Name sollte an Gertrud von Hohenberg, die erste Gemahlin Rudolfs I., des mittelalterlichen Stammvaters der Dynastie, erinnern.

Die Gemahlin des Thronfolgers wurde am Wiener Hof offen brüskiert, was Franz Ferdinand sehr kränkte und seine Abneigung gegen die Wiener Hofgesellschaft verstärkte. Sophie wurde bei öffentlichen Auftritten stets zu verstehen gegeben, dass sie außerhalb des Erzhauses stand und unerwünscht war.

Der unter schwierigen Umständen zustande gekommenen Ehe mit Sophie entsprangen drei Kinder: Sofie (1901–1990), Max (1902–1964) und Ernst (1904–1954), die sich nach der Mutter „von Hohenberg“ nannten.

Das Familienleben des Erzherzogs galt als überaus glücklich und harmonisch. Die Familie lebte vornehmlich auf den Privatgütern des Erzherzog in Böhmen (den Schlössern Konopiště südlich von Prag und Chlum in Südböhmen) sowie im niederösterreichischen Artstetten.

Nach 1918 ging der böhmische Besitz der Familie durch Konfiskation verloren. Als Ironie der Geschichte galten die Nachkommen Franz Ferdinands in den Augen der Behörden der neu gegründeten Tschechoslowakei sehr wohl als Mitglieder des ehemaligen Herrscherhauses, obwohl Franz Ferdinand im Jahre 1900 ausdrücklich im Namen seiner Kinder auf die Zugehörigkeit zum Haus Habsburg verzichten musste.

Die beiden Brüder Max und Ernst traten in den 1930er Jahren als prononcierte Vertreter des monarchistischen Lagers für die Selbstständigkeit Österreichs und gegen den Anschluss an Deutschland auf. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1938 waren sie deshalb für einige Zeit im KZ Dachau interniert.

Die direkten Nachkommen Franz Ferdinands leben auf Schloss Artstetten.

Martin Mutschlechner