Miramare – "Ein schönes Haus am Ufer des Meeres"

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Nahe der heute italienischen Hafenstadt Triest erfüllte sich der Kaiserbruder Ferdinand Maximilian seinen Kindheitstraum: einen Palast am Meer. Es blieb ihm jedoch nur wenig Zeit, diesen zu genießen.

Erzherzogin Sophies zweitgeborener Sohn Ferdinand Maximilian war schon als Kind in seiner Wesensart ganz anders als sein Bruder Franz Joseph. Während der spätere österreichische Kaiser sich für alles Militärische begeisterte, liebte Maximilian die (vor allem exotische) Natur und häufige Besuche der Schönbrunner Menagerie. Während Franz Joseph schon als Kind sparsam und diszipliniert war, zeichnete sich sein Bruder durch Leichtlebigkeit und Fröhlichkeit aus und überdehnte seine finanziellen Möglichkeiten. Besonders viel investierte Maximilian in die Anschaffung von Büchern. Ein Motto seiner Mutter: „Geiz ist bei Prinzen ein Verbrechen“, nahm der Erzherzog wörtlich. Diese Freigebigkeit ließ Maximilian auch walten, als er 1855 den Entschluss fasste, sich einen Kindheitstraum zu erfüllen: „ein schönes Haus und einen großen Garten am Ufer des Meeres“.

Maximilian, zu dieser Zeit als Oberbefehlshaber der k. u. k. Kriegsmarine eingesetzt, scheute die immensen Baukosten nicht, sich auf einem Felsen in der Adria nahe Triest das prächtige Schloss Miramare errichten zu lassen. Dessen Bau auf dem felsigen Gelände war eine architektonische Herausforderung. Die Terrasse ließ er mit Granit aus Tirol umranden und mit Erde aufschütten, um einen Garten mit exotischen Pflanzen anzulegen. Sehr eigenwillig ließ Maximilian sich die Admiralskabine seiner Fregatte „Novara“ als Arbeitszimmer nachbauen.

Im gleichen Jahr, in dem Maximilian die belgische Prinzessin Charlotte heiratete, ernannte Franz Joseph ihn zum Generalgouverneur von Lombardo-Venetien. Als die Lombardei 1859 verloren ging, zogen Maximilian und Charlotte sich vorerst in das Schloss Miramare zurück.

Als Maximilian 1864 nach Mexiko reiste und sich dort auf Betreiben des französischen Kaisers Napoleon III. gegen den Willen der Mehrheit des Volkes zum Kaiser von Mexiko krönen ließ, rechnete er offensichtlich mit einer Rückkehr nach Triest. Er entwarf einen Thronsaal und ließ die Pläne eilig per Schiff nach Europa senden. Den 1870 vollendeten Bau hat er nicht mehr gesehen. Nach drei erfolglosen Jahren als Kaiser von Mexiko wurde er am 19. Juni 1867 in der mexikanischen Stadt Querétaro standrechtlich erschossen.

Miramare diente der kaiserlichen Familie in den folgenden Jahren als Sommerresidenz. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wurde sein Mobiliar nach Wien überführt, in den 1920er Jahren dem italienischen Staat jedoch vollständig zurückerstattet und die originale Einrichtung des Schlosses wiederhergestellt.

Sonja Schmöckel