1791–1847

Marie Louise als Kaiserin der Franzosen

Druckversion

Mit der Heirat im Jahre 1810 änderte sich Marie Louises Leben radikal. Die bisher als unscheinbar geltende Habsburgerin wurde nun zur ersten Frau Europas. Zuerst noch erfüllt von Angst vor dem ihr zugedachten Schicksal, fügte sich Marie Louise rasch und fand bald Gefallen an der neuen Rolle.

Zunächst fand die Hochzeit „per procurationem“ in Wien statt – ohne Bräutigam, der bei der Zeremonie von einem der Brüder der Braut vertreten wurde. Danach reiste Marie Louise zu ihrem zukünftigen Gemahl. An der Grenze des Habsburgerreiches, in Sankt Peter am Hart in der Nähe von Braunau am Inn, erfolgte am 16. März 1809 die Übergabe der Braut an die französische Delegation. Schauplatz der feierlichen Zeremonie war ein eigens errichteter Pavillon, der aus drei festlich geschmückten Räumen bestand. Anschließend an den Mittelsaal, wo die Übergabe stattfand, war gegen Osten ein Raum für die österreichische Delegation eingerichtet, dem im Westen ein Raum für die französische Gesandtschaft entsprach.

Napoleon verstand es, seine Braut von sich zu überzeugen. So sandte er Marie Louise noch während ihrer Anreise nach Paris galante Briefe und Geschenke. Auch reiste er Marie Louise entgegen, sodass die beiden die Gelegenheit hatten, einander bereits vor dem offiziellen Einzug in Paris kennenzulernen. Marie Louise legte bald ihre ablehnenden Gefühle ab, fand durchaus Gefallen an ihrem Gatten und die Ehe entwickelte sich sehr positiv.

Pünktlich neun Monate nach der Hochzeit kam dann auch ein Kind zur Welt.

Die Geburt war derart kompliziert, dass man, um das Leben der Mutter zu schonen, den Tod des Kindes in Kauf nahm. Das leblos erscheinende Kind wurde zunächst achtlos weggelegt, als es dann zur großen Überraschung aller doch einen kräftigen Schrei machte. Napoleon hatte nun den heiß ersehnten Sohn, der unter dem Namen Napoleon II. Franz noch am Tag der Geburt zum König von Rom ausgerufen wurde. Dieser bedeutungsschwere Titel zeigt den Ehrgeiz Napoleons. Marie Louise wurde von Napoleon mit allen Ehren überhäuft und sie lebte sich rasch in ihre neue Rolle als Kaiserin ein.

Politisch wenig engagiert, wurde sie als Kaiserin zwar offiziell bei der Abwesenheit Napoleons mit der Regentschaft betraut, überließ die tatsächliche Entscheidungsgewalt jedoch dem Regentschaftsrat.

 

Martin Mutschlechner