Margarete von Österreich: Ein Leben zur höheren Ehre der Dynastie

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Margarete war eine Tochter von Maximilian I. und Maria von Burgund. Ihre Herkunft machte sie von Geburt an zu einem Objekt dynastischer Politik.

Ihr Vater Maximilian war bestrebt, das reiche burgundische Erbe, das ihm nach dem Tod des letzten Herzogs von Burgund, Karls des Kühnen, dank seiner Heirat mit dessen Erbtochter Maria 1477 zugefallen war, für das Haus Habsburg zu sichern.

Nach dem Tod der Mutter (1482) beanspruchten die Stände Burgunds die Vormundschaft über das Mädchen und ihren Bruder Philipp. Noch nicht einmal drei Jahre alt, wurde das Mädchen dem französischen Thronfolger Karl, Sohn König Ludwigs XI., versprochen. Margarete war das menschliche Siegel für die Abtretung einiger Territorien Burgunds (u. a. das als „Altburgund“ bekannte Herzogtum Burgund mit Dijon in Ostfrankreich, sowie die zum Heiligen Römischen Reich gehörenden Gebiete der Grafschaft Artois und der Freigrafschaft Burgund), die seit 1477 von Frankreich beansprucht und besetzt worden waren, und die nun endgültig als Preis für die Anerkennung Maximilians als Herrscher in den niederländischen Gebieten Burgunds abgetreten werden sollten.

Das Kleinkind Margarete wurde nach Frankreich gebracht, wo sie den Rest ihrer Kindheit am französischen Hof verbrachte. Die Verlobung wurde jedoch 1491 gelöst, als der Dauphin Karl die reiche Erbin Anne de Bretagne heiratete, die an sich bereits Margaretes Vater Maximilian versprochen war. Für Maximilian war dies eine demütigende persönliche Niederlage.

1493 wurde die inzwischen 13-jährige Margarete von Frankreich feierlich wieder an die Niederlande übergeben. Die Mitgift, die ehemals burgundischen Territorien, behielt Frankreich ein. Maximilian ging nun auf entschieden anti-französischen Kurs.

Margarete wurde wiederum zum Objekt dynastischer Pläne: Als Karl VIII. von Frankreich seine Machtbasis in Italien auszubauen versuchte und Neapel angriff, das zum Machtbereich König Ferdinands von Aragon gehörte, schloss Maximilian ein anti-französisches Bündnis mit König Ferdinand, das mit einer Doppelhochzeit bekräftigt wurde: Die Kinder Maximilians, Philipp der Schöne und Margarete, heirateten die Kinder Ferdinands und Isabellas, Johanna und Johann, die künftigen Erben der vereinigten Königreiche von Kastilien und Aragon. 1496 wurde Margarete nach Spanien zu ihrem um drei Jahre älteren Gatten verschifft. Die Ehe dauerte nicht lange: nach sechs Monaten starb der kränkliche Infant von Spanien – angeblich an Entkräftung aufgrund der Anstrengungen infolge der ehelichen Pflichten. Auch das Kind, mit dem Margarete schwanger war, wurde tot geboren.

Die junge Witwe ging 1499 zurück in die Niederlande und wurde 1501 wiederum Objekt einer dynastischen Eheschließung: Ihr Bräutigam war Herzog Philibert von Savoyen, dessen Land aufgrund seiner Lage in den Westalpen eine entscheidende strategische Rolle in der Konkurrenz zwischen Frankreich und den Habsburgern in Italien spielte. Dieser äußerst glücklichen Ehe war jedoch ebenfalls keine lange Dauer beschieden. Bereits 1504 war Margarete mit 24 Jahren wiederum Witwe. Danach weigerte sie sich, eine weitere Ehe einzugehen.

1507 wurde Margarete vom Vater nach dem Tod ihres Bruders Philipp als Statthalterin in den Niederlanden eingesetzt. Sie baute ihre Residenz in Mecheln auf, wo sie auch die Erziehung ihres Neffen Karl und der Nichten Eleonore, Isabella und Maria übernahm, die nun Halbwaisen waren. Die leibliche Mutter der Kinder, Johanna „die Wahnsinnige“, galt als geistesgestört, und daher wurden ihr die Kinder entzogen.

Margaretes Statthalterschaft fiel mit einer Blütezeit der Niederlande zusammen: Äußerst intelligent und politisch talentiert, vertrat sie die Interessen der niederländischen Provinzen, teilweise auch in Opposition zu ihrem Vater Maximilian und später zu ihrem Neffen Karl. Ihr diplomatisches Meisterwerk war der Damenfrieden von Cambrai (1529), der die Beziehung zwischen Franz I. von Frankreich und Karl V. nach den Konflikten um burgundische und italienische Territorien auf eine tragfähige Basis stellte. 

Martin Mutschlechner