1348–1900

Lehrer und Studenten der Wiener Universität

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Ab dem 14. Jahrhundert erlebte die Alma Mater Rudolphina einen Aufschwung sowohl im Lehrbetrieb als auch bei den Studentenzahlen, wie die seit 1377 geführten Matrikel der Universität belegen.

In der Zeit von 1375 bis 1400 studierten in Wien 3.600 Studenten, ihre Zahl nahm ständig zu. Dies war nicht allein auf die Qualität der Lehre zurückzuführen, sondern auch auf die relativ geringen Gebühren und Lebenshaltungskosten in der Stadt. Im 15. Jahrhundert wies die Universität mit ca. 6.000 Studierenden die höchsten Studentenzahlen im Heiligen Römischen Reich auf, Wien besaß bis in das Zeitalter der Reformation die größte deutsche Universität.

Die Studenten entstammten allen Volksschichten und kamen aus Österreich sowie aus Süddeutschland und Osteuropa. Frauen waren zum Universitätsstudium nicht zugelassen. Adelige oder Mitglieder höherer Stände fanden sich kaum an der Artistenfakultät, um die 20 Prozent aller Immatrikulierten wurden als Arme eingestuft, wobei diese Kategorie relativ weit gefasst war. Die Studierenden waren wesentlich jünger als heutzutage: Schon ein 14- bis 16-Jähriger konnte sich für die Artistenfakultät anmelden. Für den Universitätsbesuch musste man sich immatrikulieren und Lateinkenntnisse besitzen. Der Gebrauch des Lateinischen war – wie an den Lateinschulen – vorgeschrieben. Die Vorkenntnisse der Studierenden reichten oft nicht aus, daher dienten die studentischen Unterbringungen auch als Unterrichtsstätten. Nur wenige Studenten konnten sich Lehrbücher leisten, sie waren auf ihre Mitschriften angewiesen.

Die vier Fakultäten der mittelalterlichen Universität waren hierarchisch gegliedert: An der Spitze stand die theologische Fakultät, gefolgt von der Jurisprudenz, der Medizin und der Artistenfakultät. Studierende der ersten drei Fakultäten waren oft auch als Lehrende an Letzterer oder an örtlichen Schulen tätig. Im Anschluss an ihr Studium mussten die Magister an ihren Fakultäten unterrichten. Kaum einer der Universitätslehrer stammte aus den führenden gesellschaftlichen Schichten, sondern meist aus den Mittelschichten des Stadtbürgertums, aber auch aus dem bäuerlichen Milieu. Bildung stellte damit einen Weg zum sozialen Aufstieg dar.

Julia Teresa Friehs