Kasperl gegen Sonnenfels: Der "Hanswurststreit"

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Ein von höchster Stelle verordnetes Extemporierverbot soll die Wiener Zunge zügeln, doch Hanswurst und Co. lassen sich nicht so einfach unterkriegen.

Maria Theresia hatte 1752 angeordnet, in der Komödie sollten „keine andere compositionen spillen als die aus den französischen oder wälischen oder spanischen theatris herkommen, alle hiesigen compositionen von Bernardon und andren völlig auffzuheben, wan aber einige gutte doch wären von Weiskern, solle selber ehender noch gelesen werden und keine equivoques noch schmutzige Worte darinnen gestattet werden, auch denen comödianten ohne straffe nicht erlaubet werden sich selber zu gebrauchen“.

Extemporierverbot durch Maria Theresia 1752. Joseph Felix von Kurz-Bernardon (1717–1784) schrieb Komödien im Stil des Hanswursttheaters. Friedrich Wilhelm Weiskern (1710–1768) war Librettist und Schauspieler.

Die Wiener Volksstücke vereinten Elemente von Komödie, Slapstick, Pantomime sowie operettenhafte Einlagen, dazu kam der Einsatz von Theatermaschinen, Verkleidungen, ja sogar Feuerwerken. Ausdrucksweise und Auftreten der SchauspielerInnen in diesen Stücken, vor allem in den Stegreifkomödien, waren mitunter so derb, dass die Theaterzensur sie regulieren wollte und die Verwendung „genehmer Worte“, aber auch Gestik auf der Bühne überwachte. Der sogenannte „Hanswurststreit“ entbrannte zwischen KritikerInnen der Volksbühne, insbesondere Joseph von Sonnenfels, der sich für die Beseitigung der Volkskomödie und des Hanswurst aussprach, und BefürworterInnen sowie ProtagonistInnen derselben.

Der Autor Philipp Hafner war einer der bedeutendsten Verfasser von Alt-Wiener Volkskomödien. Hafner trat gegen eine Beseitigung der Wiener Volkskomödie und für die ästhetische Verbesserung des Volkstheaters ein. Er kritisierte die Vielzahl an modernen, großteils aus dem Ausland übernommenen Stücken, welche in noch etwas holprigem Hochdeutsch am Burgtheater gegeben wurden. Sein Ziel war eine Reglementierung von Sprache und Gestus sowie eine Verschriftlichung und Verfeinerung der Komödie. Die Heiterkeit sollte aber ihr Kennzeichen bleiben.

Bereits 1752 hatte Maria Theresia ein Extemporierverbot, ein Verbot für aus dem Stegreif gesprochene Theaterauftritte, durchgesetzt. Die Stücke mussten vorweg schriftlich festgehalten und zur Zensur eingereicht werden. Das oft mit Unflätigkeiten verbundene Improvisieren („Extemporieren“) wurde – obwohl beim Publikum beliebt – verboten. Das Extemporierverbot wurde jedoch häufig missachtet und mehrmals ausdrücklich erneuert. Der (teils derbe) Wortwitz blieb ein Kennzeichen der Wiener Posse.

Eine „Wiener Lösung“ bot schließlich ein Miteinander von „gereinigter Schaubühne“ und Stegreiftheater: Der Hanswurst erschien gewandelt vom deftigen Raufbold zum gezähmten Hausknecht (mit nach wie vor kräftiger Ausdrucksweise) und hielt sogar im klassischen Schauspiel Einzug. 1763 spielte Gottfried Prehauser, ein beliebter Hanswurstdarsteller, die Dienerfigur in Gotthold Ephraim Lessings „Miß Sara Sampson“ als Hanswurst. Der Dichter scheint über diese Auslegung seines Stückes verärgert gewesen zu sein – er weigerte sich daraufhin, als Hofdichter nach Wien zu kommen.

Julia Teresa Friehs