1797–1826

Familiäres Leben in Rio de Janeiro

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Neun Schwangerschaften, ein Ehemann, ständig in Liebesaffären verwickelt und eine Mätresse, die sich in die Politik einmischt...

Das Familienleben von Leopoldina war, bis auf die ersten Wochen nach ihrer Ankunft, in allen Aspekten schwierig und kompliziert.

Am 4. April 1819 kam nach einer sehr schwierigen Geburt die erstgeborene Tochter Maria-Glória zur Welt. In neun Ehejahren durchlebte sie neun Schwangerschaften, von denen drei mit Fehlgeburten endeten. Von den sechs Kindern starb der erstgeborene Sohn João-Carlos mit elf Monaten.

Das ausschweifende Privatleben Dom Pedros belastete Leopoldina sehr. 1822 lernte Pedro Domitila de Castro Canto e Melo kennen, eine verheiratete Frau, Analphabetin und von üblem Ruf.

Leopoldina war ohne Beistand, denn auch der österreichische Botschafter vermied es drei Jahre lang, über die familiäre Situation nach Wien zu berichten. Wer wollte bei Metternich schon der Überbringer schlechter Nachrichten sein? Immerhin hatte aber Botschafter Mareschal im Oktober 1825 an Fürst Metternich geschrieben, „der Einfluss den diese Frau auf Dom Pedro gewonnen hat, ist erstaunlich und es ist zu befürchten, dass er noch zunimmt und von Dauer ist.“ Pedro verlangte von Leopoldina auch, dass die im Mai 1824 von der Mätresse geborene Tochter Isabel in Boa Vista zusammen mit den ehelichen Kindern erzogen wurde.

Eine weitere Erschwernis in der Bewältigung des Alltages war die Schwierigkeit der Nachrichtenübermittlung. Leopoldina litt unsäglich unter der häuslichen Zerrüttung; doch sie sah keine Möglichkeit des Entkommens, denn Brasilien war sehr weit weg von Europa. Die englischen Postschiffe verkehrten zwischen Europa und Brasilien nur alle fünf, sechs Monate, manchmal sogar noch seltener! Einmal musste Leopoldina zwei Jahre lang auf einen Brief ihres Vaters warten. Auch wurde die Post von Leopoldina zensuriert, natürlich nicht offiziell.

In diesen Jahren geriet Leopoldina außerdem in Schulden und Geldnöte, da Pedro ständig das Haushaltsgeld kürzte. „…wegen einer verführerischen Hexe befinde ich mich im Zustand der schwärzesten Melancholie“, schrieb sie ihrer Schwester Marie Louise.

Gloria Kaiser