Endlich Beamter! Die Verweltlichung der Hofmusikkapelle

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Eine Frau im Orchester! Die ehemals geistliche Hofmusikkapelle wird endgültig weltlich und bringt die pompösen Feierlichkeiten der habsburgischen Herrscher zum Erklingen.

Unter Leopold I. wuchs die Instrumentalistengruppe innerhalb der Hofmusikkapelle zu einem Orchester an: Sie bestand nun aus „rund zehn Geigern, vier Cellisten, zwei Bassgeigern, zwei Theorbisten (Basslautespielern, die für das Continuo notwendig waren), zwei bis drei Fagottisten, circa fünf bis sechs Posaunisten, zwei, später sechs Oboisten, zwei Hornisten, einem Lautenisten und vier, später sieben (musikalischen) Trompetern; zwei Orgelmacher[n], zwei Balgtreter[n] (Kalkanten), ein[em] Lautenmacher und ein[em] Kapelldiener […].

Insgesamt zählte die Hofmusikkapelle 41 bis 45 angestellte Musiker, inklusive der Leitung und Sänger waren es über 100 Personen.

Erst unter Ferdinand I. gab es wieder eine Hofmusikkapelle. Er erließ 1527 eine „Capell-Ordnung“, eine Organisationsform, die das Musikwesen am Wiener Hof bis zum Ende der Monarchie prägte. An der Spitze der Hofmusiker, die in der Rangordnung nach dem geistlichen Personal (dem Hofprediger, dem Hofelemosinarius, der Geld an Arme verteilte und die Einhaltung des kirchlichen Festkalenders wahrte, sowie vier oder fünf Hofkaplänen) folgten, stand ein Kapellmeister. Mit dem Einsetzen der Hofzahlamtsbücher unter Ferdinand I. existieren Belege für Pensionen und Honorare der Hofmusiker. Die Hofkapelle umfasste 50 bis 80 Personen und sorgte für die Musik in der Hofkirche, bei Hoffesten sowie bei der Tafel und sie begleitete den Herrscher auf seinen Reisen. Am Wiener Hof waren niederländische Musiker und Kapellmeister besonders einflussreich.

Das Musikensemble wuchs zur Zeit der Renaissance an, Maximilian II. vergrößerte das Kapellpersonal, insbesondere die Zahl der Instrumentalisten. Unter den Kammermusikern gab es nun auch eine Frau – ein Hinweis auf die ,Verweltlichung‘ der Kapelle. Ab Ferdinand II. erlebte die Oper ihre Blütezeit am Kaiserhof, sie wurde zu einer der Hauptaufgaben der Hofmusikkapelle, die nun immer mehr unter italienischem Einfluss stand. Das erforderte eine neue personelle Zusammensetzung: Ein Hofdichter für die Libretti, Opernsänger und -sängerinnen sowie Theateringenieure und Kostümzeichner wurden engagiert, die Zahl der Sängerknaben dafür verringert. Der Hofkapellmeister entschied über die Einstellung von Musikerinnen, er organisierte das Musikwesen am Hof. Diese Funktion ging später an den Hoftheaterintendanten über; zusätzlich wurde die Funktion des Hofkomponisten geschaffen.

Seit Beginn des 17. Jahrhunderts wurden die Musiker der Hofmusikkapelle ,verbeamtet‘ und auf Lebenszeit angestellt. Diese Posten waren sehr begehrt, die Zahl der Musiker wuchs stetig an. Unter Johann Joseph Fux, dem Hofkompositeur Karls VI., kam es zu einer Reorganisation des Orchesters. Kaiser Karl VI., unter dem die Musikbegeisterung der Habsburger einen Höhepunkt erlebte, besuchte regelmäßig die Aufführungen seiner Kapelle. Manchmal dirigierte er sogar selbst eine Veranstaltung. Bis zu seinem Tod war die Hofmusik zu einem enorm kostspieligen Unternehmen angewachsen und umfasste mehr als 120 Musiker.

Julia Teresa Friehs