Ein Kaiser als Komponist

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Leopold I. liebte die Oper, errichtete ein neues Theater, kurbelte die Musikproduktion am Wiener Hof an – und komponierte auch selbst.

Leopold I. liebte prunkvolle Feste und Operninszenierungen – so galt auch sein erster Gedanke hinsichtlich seiner Residenz nicht der Errichtung eines herrschaftlichen Gebäudes, sondern dem Bau eines Theaters. 1659 beschloss er die Erbauung eines neuen „Komödienhauses“. Lodovico Burnacini gestaltete bis 1660 ein mit neuester Bühnentechnik und aufwendigen Kulissen ausgestattetes repräsentatives Theater, für das er einen alten Tanzsaal der Hofburg adaptierte. Der schnelle Baufortgang war durch das große Interesse des Kaisers und die daher reichlich zur Verfügung stehenden Geldmittel gewährleistet. Dennoch waren bereits wenige Jahre später Sanierungsmaßnahmen notwendig.

Leopold I. stellte die Musik ins Zentrum des kulturellen Lebens seiner Zeit. Für seine Hofmusiker gab der Kaiser jährlich eine Summe von 60.000 Gulden aus. In seiner Regierungszeit entstanden 400 neue Werke am Wiener Hof – zu Zeiten seines Vaters Ferdinand III. waren es 16 neue Opern und Oratorien gewesen. Gespielt wurden fast ausschließlich italienische Opern, dem deutschen Theater brachte der Hof weniger Interesse entgegen. Seit langem waren großteils italienische Komödianten und Dichter zum Verfassen der Texte an den Hof berufen worden.

Der Kaiser selbst war wie sein Vater nicht nur Musikliebhaber, sondern komponierte über 150 Arien auf Italienisch, einige deutschsprachige Oratorien und Musikkomödien, aber auch viele geistliche Werke, wie die Requien, die bei den Bestattungen seiner ersten und dritten Frau sowie bei seinem eigenen Begräbnis aufgeführt wurden.

Julia Teresa Friehs