Der Vollender: Ferdinand I.

Druckversion

Ferdinands I. vordringliche künstlerische Aufgabe war die Fortführung der unvollendeten Werke seines Großvaters. Doch auch er wusste die Grafik geschickt als Repräsentationsmedium einzusetzen.

Ferdinand I., der Enkel Maximilians I., wurde in Spanien geboren und erzogen und übernahm ab 1521 mit seinen spanischen Beratern die Regierung in Österreich. Anders als sein Großvater errichtete er in mehreren Städten feste Residenzen, in denen er eine blühende humanistische Kultur vorfand. In Wien überschnitten sich städtische Kultur und aristokratische Hofkunst: Die Künstler waren nicht nur für den Hof des Landesherrn, sondern auch für das humanistisch gebildete städtische Bürgertum und andere offizielle Auftraggeber tätig. Außerdem bot die Stadt ein Publikum für die Repräsentation.

Auch Kontakte mit dem Ausland wurden gefördert, manche Adeligen sahen auf ihren diplomatischen Reisen Kunstwerke in anderen Ländern. Im Laufe des 16. Jahrhunderts stieg die Zahl ausländischer Architekten, Maler, Bildhauer und Kunsthandwerker, die nach Österreich berufen wurden.

Ferdinand I. versuchte im Sinne seines Großvaters, Kunst als Ausdruck von Macht und Tradition des Hauses zu fördern und sich damit gegen den aufstrebenden landständischen Adel zu positionieren. Er übernahm den Künstlerkreis von Maximilian I. und führte dessen unvollendete Holzschnittwerke fort. Der „Triumphzug“ wurde 1526 erstmals herausgegeben. Im Auftrag seines Bruders, Kaiser Karls V., leitete er auch die Arbeiten am unvollendeten Grabmal Maximilians I. weiter.

Die grafischen Künste boomten und ließen sich – sowohl in drucktechnisch aufwendigen Publikationen als auch in den aufkommenden Zeitungsblättern – gut für Repräsentation und Propaganda verwenden. Offizielle Publikationen und Einzelblätter verherrlichten die Taten des Hauses Österreich in Porträts und Allegorien.

Während der Regierungszeit Ferdinands I. entstanden in Österreich die ersten Renaissancebauten. Als Auftraggeber traten nicht nur der Kaiser und die Landesfürsten, sondern auch der Adel und die immer mächtigeren Landstände auf.

Julia Teresa Friehs