Der Deutsche Bund und die deutsche Frage

Daniel Friedrich Sotzmann: Karte von Deutschland nach dem Wiener Kongress, 1816

Das "Alte Reich" ist untergegangen, was nun? – Der Deutsche Bund sollte das aufgelöste Heilige Römische Reich ersetzen, die Habsburger sahen jedoch ihre traditionelle Vormachtstellung zusehends schwinden.

Daniel Friedrich Sotzmann: Karte von Deutschland nach dem Wiener Kongress, 1816

Der Deutsche Bund wurde 1815 von den mitteleuropäischen Mächten auf dem Wiener Kongress gegründet und sollte an die Stelle des 1806 aufgelösten Heiligen Römischen Reiches treten. Mit der Gründung dieses Bundes fiel zunächst eine Entscheidung in der so genannten deutschen Frage zugunsten der Habsburgermonarchie. Diese Frage drehte sich um zwei Möglichkeiten: eine Vereinigung der deutschen Staaten unter Einschluss derjenigen Teile der Habsburgermonarchie, die auch zum Heiligen Römischen Reich gehört hatten bzw. von Deutschen bewohnt wurden, oder ein Zusammenschluss ohne die von den Habsburgern regierten Gebiete. Diese beiden Möglichkeiten werden auch als „großdeutsche Lösung“, das heißt katholisch-habsburgisch dominiert, und „kleindeutsche Lösung“ unter der protestantisch-preußischen Führung der Hohenzollern beschrieben. Längerfristig sollte sich im Zuge der deutschen Einigung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das zweite Modell durchsetzen, am Wiener Kongress wurde jedoch noch der großdeutsche Weg gewählt.

Der Deutsche Bund umfasste im Wesentlichen die Gebiete des alten Reiches und war ein Zusammenschluss souveräner Staaten. Der Bundestag in Frankfurt am Main stand unter der Präsidentschaft des österreichischen Gesandten. Mit der Gründung des Bundes wurde die Lösung der „deutschen Frage“ um etwa zwei Generationen aufgeschoben, die österreichische Niederlage von Königgrätz 1866 bedeutete dann die entscheidende Richtungsänderung.

Stephan Gruber