1797–1826

1816 - Leopoldines Schicksalsjahr

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Im Alter von 19 Jahren war Leopoldines weiteres Schicksal immer noch ungewiss: Ihrer Neigung hätte sicherlich am ehesten der Posten des Direktors des Hofmineralienkabinetts entsprochen, jedoch war dies für eine Frau ihrer Zeit und noch dazu Mitglied des Erzhauses undenkbar.

Im Jahr 1816 wurde das Familienleben von Kaiser Franz I. neu geordnet. Im März 1816 reiste Marie Louise nach zweijähriger Wartezeit in ihre neue Heimat Parma. Im April 1816 starb „die liebe zweite Mama“, Maria Ludovica. Leopoldine war untröstlich, „…ich verdanke ihr alles was ich bin.“ Im Juli 1816 heiratete Leopoldines jüngere Schwester Marie Clementine den Onkel Fürst Leopold von Salerno.  Und für November 1816 wurde bereits die nächste Heirat ihres Vaters mit Carolina Augusta von Bayern vorbereitet. Leopoldine fühlte sich mehr und mehr allein, vor allem fehlte ihr eine Perspektive für ihr Leben. Kaiser Franz I., der ihre Vorliebe für Mineralien kannte, hatte ihr sogar einmal scherzhaft gesagt, er werde für sie die Stelle einer „Hofmineralogin“ freihalten, falls man für sie keinen Ehemann finden würde.

Leopoldine wusste, dass von den Diplomaten Vorverhandlungen mit dem Sachsen-Prinzen Friedrich August über eine Verheiratung mit ihr geführt wurden. Es war ihr auch zu Ohren gekommen, dass sie dem sächsischen Prinzen nicht gefallen würde, was sie bestimmt noch mehr verunsicherte. Denn Leopoldine war mit ihrem Äußeren nicht zufrieden; zudem wusste sie, dass sie in Gesellschaft oft „stumm wie ein Fisch“ saß. Sie war verzweifelt. Immerhin war sie bereits neunzehn Jahre alt.

Endlich, im Sommer 1816 erwähnte Kaiser Franz I., dass es um Leopoldines ‚Sache‘ günstig stehen würde, und am 24. September 1816 wurde sie von ihrem Vater offiziell informiert, dass aus Rio de Janeiro eine Anfrage vorliege: Prinz Pedro aus dem Haus Bragança suche eine Gattin aus dem Haus Habsburg.
Damit ging für Leopoldine ein Mädchentraum in Erfüllung – sie würde nach Brasilien reisen! Von Pedro Bragança sprachen die Diplomaten in den höchsten Tönen, lobten seine Ausbildung, schwärmten von seinem südländischen Temperament.

Gloria Kaiser