Rudolfs Regentschaft: kurz, aber nachhaltig

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Trotz der kurzen Dauer von nur sieben Jahren war Rudolfs Regentschaft richtungweisend für das Haus Habsburg: Die von Rudolf geschaffenen Ausdrucksformen habsburgischer Herrschaft wie der Erzherzogstitel begründeten die Sonderstellung Österreichs im Reich.

Rudolf machte sich auch dank territorialer Zugewinne um eine Stärkung der Hausmacht verdient. Mit großem Elan setzte er den Erwerb Tirols durch. Er wälzte auch ehrgeizige Pläne, auf Italien auszugreifen. Sein Vorhaben, sich zum König der Lombardei aufzuschwingen, scheiterte jedoch bereits im Ansatz.

Reellere Chancen bestanden in Schwaben, denn hier hatten die Habsburger ältere Rechte. Rudolf nannte sich Generalstatthalter von Schwaben und im Elsass, nachdem er bereits zuvor von Karl mit der Reichsvogtei im Elsass betraut worden war. Bald führte Rudolf eigenmächtig den Titel eines Herzogs von Schwaben und im Elsass und startete Versuche, das nach dem Aussterben der Staufer untergegangene Herzogtum Schwaben wieder zu errichten. Dieses Vorhaben wurde von den Habsburgern bis in die Neuzeit vorangetrieben, führte zu Konfrontationen mit der Schweizer Eidgenossenschaft und den freien Reichsstädten in der Region und sollte schließlich erfolglos bleiben.

Nachhaltig förderte Rudolf auch den Ausbau der Stadt Wien, die als Residenz den hochfliegenden Plänen entsprechend aufgewertet werden sollte. Als Vorbild diente Prag, das unter Rudolfs Schwiegervater Karl IV. zu einer mittelalterlichen Metropole ausgebaut wurde. Rudolfs (letztlich erfolglose) Bemühungen, Wien zum Bischofssitz zu machen, bildeten auch den Startschuss für einen großartigen Ausbau der Wiener Stephanskirche.  Ebenfalls mit Rudolf verbunden ist die Gründung der Wiener Universität 1365. Auf diese Initiativen bezieht sich Rudolfs Beiname „der Stifter“.

Rudolfs Lebenswerk, den Rang seiner Familie unter den Reichsfürsten zu stärken, wurde von seinen jüngeren Brüdern untergraben. Rudolf schloss als Ältester der Brüder und Chef des Hauses 1364 einen Vertrag mit Albrecht III. und Leopold III., der eine prinzipielle Unteilbarkeit der Länder unter gemeinschaftlicher Regierung vorsah, wobei dem Senior, also dem ältesten männlichen Mitglied der Familie, die Führungsrolle zufallen sollte. Diese Regelung sollte jedoch nur 15 Jahre Bestand haben, bevor die Brüder zu einer Teilung der Länder schritten, die das Haus Habsburg für Generationen mit innerfamiliären Konflikten belastete.

Rudolf erlebte dies nicht mehr, denn er starb mit nur 26 Jahren in Mailand, wo er eine Braut für seinen Bruder finden wollte mit dem Hintergedanken, den Erwerb von Tirol durch eine dynastische Heirat abzusichern und seine Ansprüche auf Territorien in Friaul durchzusetzen. Da Rudolf kinderlos starb, ging die Herrschaft an seine jüngeren Brüder über.
Begraben wurde Rudolf in der Fürstengruft in der Wiener Stephanskirche, wo auch ein Kenotaph im Hauptchor an ihn erinnert, das aber niemals die Leiche aufnahm. Über diesem Grabdenkmal hing ein eigens angefertigtes Bildnis des Habsburgers, das als eines der frühesten „modernen“ Porträts der europäischen Kunstgeschichte gilt.

Martin Mutschlechner