1282–1790

Mauerbach und Gaming: Aufstieg und Fall zweier habsburgischer Klostergründungen

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Die ehemaligen Kartäuserklöster Mauerbach und Gaming sind spätmittelalterliche Stiftungen der Habsburger, die als Beispiele für die wachsende Identifikation der Dynastie mit den österreichischen Ländern stehen. Aber auch ihr Ende ist beispielhaft für die habsburgische Klosterpolitik: Beide Klöster fielen der josephinischen Klosterreform zum Opfer.

 

Die spätmittelalterlichen Habsburger waren große Förderer des Ordens der Kartäuser. Als die Habsburger im 14. Jahrhundert in Österreich heimisch wurden, stiftete die Enkelgeneration Rudolfs I. Klöster, um hier begraben zu werden. Der Einsiedlerorden der Kartäuser erlebte im 14. Jahrhundert einen enormen Aufschwung. Die asketische Strenge traf die Idealvorstellung der Zeit von einem gottgefälligen Leben. Die Mönche waren zu ständigem Fasten und dem Verzicht auf Fleisch verpflichtet. Sie lebten dem Schweigegebot unterworfen in zellenartigen Häuschen in eremitischer Einsamkeit und kamen nur zum Chorgebet zusammen.

Die Kartause Mauerbach im Wienerwald war eine Gründung Herzog Friedrichs des Schönen, zu der er zeitlebens eine enge spirituelle Beziehung hatte. Er bestimmte das Kloster zu seiner Grablege, wo er zwischen den Mönchen in einem unbezeichneten Grab bestattet werden wollte. Als Maximilian I. die Überreste seines Vorfahren suchen ließ, waren sie zunächst unauffindbar. Endlich entdeckt, wurden sie von den Mönchen unter Gebeten mit Wein gewaschen und feierlich in der Sakristei beigesetzt.

Im Zeitalter der josephinischen Klosterreform mit ihrem Nützlichkeitsdenken hingegen wurde das beschauliche, in sich gewandte Lebensideal der Kartäuser als für die Gesellschaft überflüssig eingestuft: Alle Kartausen im Bereich der österreichischen Monarchie galten als “entbehrlich” und wurden aufgelöst. 1781 gab eine Untersuchung, die grobe Missstände in der Klosterdisziplin in Mauerbach zutage brachte, den Anstoß für die große Klosterreform Josephs II.  Im Jahr darauf war Mauerbach das erste Kloster, das vom Kaiser zur Aufhebung bestimmt wurde.

Die Kartause von Gaming im niederösterreichischen Voralpengebiet traf ein ähnliches Schicksal: Gaming geht auf Friedrichs Bruder Albrecht II. zurück, der das Kloster 1330 als Grablege für sich und seine Gemahlin stiftete, als sich die Folgen einer schweren Krankheit bemerkbar machten, die Albrecht den Beinamen “der Lahme” einbrachten. Dank der großzügigen Zuwendungen Albrechts galt Gaming als reichste Kartause Europas. Als die Mönche ihren Förderer baten, die Überfülle an Zuwendungen einzustellen, da dies ihrem Armutsgelübde widerspräche, erhielten sie die Antwort: “Nembt die weil man euch gibt gern; es kombt die Zeit, da sein alleß zuwenig würd werden.”

Bei der Auflösung des Klosters 1782 wurden die Stiftergräber geöffnet und die Särge verkauft. Die Gebeine blieben offen in der ausgeräumten Kirche liegen und wurden erst 1797 auf Befehl Franz II./I. in der Pfarrkirche des Ortes bestattet.

Martin Mutschlechner