1557–1619

Matthias: Ein ehrgeiziger Erzherzog als politischer Abenteurer

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Matthias, geboren am 24. Februar 1557 in Wien als Kind von Kaiser Maximilian II. und Maria von Spanien, hatte als der dritte von insgesamt sechs Söhnen anfänglich kaum Chancen, an die Macht zu kommen. Er war jedoch von großem Ehrgeiz getrieben und wollte sich mit einer Rolle im Hintergrund nicht zufrieden geben.

Matthias hatte keine Aussicht, von seinem Vater Kaiser Maximilian II. mit einer Regentschaft betraut zu werden, denn dieser wollte weitere Länderteilungen verhindern, nachdem bereits die Brüder Maximilians Teilgebiete (Innerösterreich und Tirol) erhalten und eigene Linien gegründet hatten.

Für Matthias war eine Zukunft als Kirchenfürst oder als Statthalter in Diensten seines älteren Bruders Rudolf vorgesehen, der die Herrschaft in den Ländern seines Vaters und die Kaiserkrone übernehmen sollte. Eine andere Option wäre gewesen, in die Dienste der spanischen Linie der Dynastie zu treten. Matthias galt jedoch als sehr kritisch gegenüber Spanien, das der österreichischen Linie deren finanzielle und politische Abhängigkeit als Juniorpartner im Familienverband der Habsburger deutlich spüren ließ. Diese Einstellung hatte er von seinem Vater übernommen.

Eine weitere Übereinstimmung mit dem Vater betraf die gemäßigte Haltung im Konfessionsstreit. Wie Maximilian II. war auch Matthias ein Gegner der militanten Version der katholischen Gegenreformation.

Matthias betrat die Bühne der großen Politik als ehrgeiziger Hasardeur in einem gefährlichen Abenteuer. Noch nicht 20-jährig kam er in Kontakt mit Abgeordneten der Niederländischen Generalstaaten, die sich im Unabhängigkeitskrieg mit Spanien befanden. Die gemäßigte Partei der niederländischen Stände glaubte in Matthias einen geeigneten Kompromisskandidaten für das Statthalteramt zu erkennen: Der Erzherzog war Mitglied der Dynastie, jedoch liberal und antispanisch eingestellt.

1577 reiste Matthias in die Niederlande, um dort gegen den Willen des spanischen Königs Philipp II. und ohne seinen Bruder Kaiser Rudolf II. informiert zu haben, das Amt des Statthalters zu übernehmen – ein beispielloser Affront.

Das politische Abenteuer führte den jungen Erzherzog in einen der sensibelsten Konfliktherde der Zeit. Und das Engagement scheiterte: ohne jegliche politische Erfahrung und ohne diplomatisches Talent stach Matthias in ein Wespennest. Seine Stellung war in wenigen Wochen derart erschüttert, dass er sich in den Schutz des radikalen Gegners des spanischen Regiments in den Niederlanden, Wilhelm von Oranien, flüchten musste.

Obwohl weiterhin nominell Generalstatthalter, war sein Handlungsspielraum stark eingeschränkt. Matthias hatte der sich abzeichnenden Spaltung der Niederlande in einen unabhängigen protestantischen Norden und in den katholischen, unter spanischer Herrschaft verbleibenden Süden nichts entgegenzusetzen. Von Spanien nicht anerkannt, und von seinem Bruder Rudolf, der sich nun selbst als Vermittler zwischen den Fronten versuchte, politisch ausmanövriert, blieb Matthias am Ende ohne Unterstützer übrig. Der Erzherzog hatte hohe Schulden gemacht und nur mit Mühe konnte er die finanziellen Lasten seines unüberlegten Abenteuers abbauen. 1581 legte er sein Amt als Generalstatthalter endgültig nieder. 

Martin Mutschlechner