"La clemenza di Tito" – doch keine Milde für Mozart

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Dem neuen Kaiser Leopold II. auf den Fersen reist Mozart zur Kaiserkrönung nach Frankfurt und komponiert ihm eine Krönungsoper für die böhmische Königskrönung.

Nach dem Tod Josephs II. wurde sein Bruder Leopold II., der bereits seit 25 Jahren in der Toskana geherrscht hatte, Kaiser. Dieser entließ viele Anhänger Josephs II., da er mit ihm zu Lebzeiten zerstritten war. Da Ponte wurde sogar des Landes verwiesen. Mozart hingegen behielt seine Stellung und bat um die Position eines zweiten Hofkapellmeisters neben Salieri sowie darum, die 16 Kinder Leopolds unterrichten zu dürfen. Er erhielt jedoch keine Antwort.

Im September 1790 fuhr Mozart auf eigene Kosten zur Krönung Leopolds II. zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches nach Frankfurt, wo alle deutschen Fürsten versammelt waren. Er hoffte, dort einen Auftrag zu ergattern. Es gab große Festlichkeiten, für das Volk wurden gebratene Ochsen spendiert, aus den Brunnen floss Wein. Auf Marktplätzen wurden auf Bühnen Huldigungsstücke aufgeführt, allerorten standen Freudengerüste. Die Krönungsmesse im Dom dirigierte Antonio Salieri.

Im August 1791 kehrte Mozart nach Prag zurück: Die Prager Stände setzten nämlich ihren geliebten Komponisten für die Krönungsoper zur Krönung Leopolds II. in Prag zum König von Böhmen durch. „La Clemenza di Tito“ war ein Loblied auf die Güte und Milde des römischen Herrschers Titus. Gleichzeitig war die Oper eine Huldigung für den neuen König, indem sie eine der „Tugenden des Erzhauses“, die clementia austriaca, verherrlichte, die den Mitgliedern der Dynastie zugeschrieben wurde. Die clementia (Milde) war jene Tugend, „die gottähnlich macht, die Königin der Tugenden, die alle anderen einschließt“. (zit. nach Vocelka/Heller, Die Lebenswelt der Habsburger, 129) In streng patriarchalischer Gesellschaftsauffassung kürt sie den Herrscher zum „Landesvater“, der in strenger, doch gerechter und milder Weise – gleich einem Familienvater – über seine Untertanen herrscht.

Mozart erhielt fast 900 Gulden Gage. Durch die viele Arbeit überanstrengte er sich. Dennoch war die Oper kein Erfolg: Das Kaiserpaar war an Mozart nicht interessiert. Das Publikum bestand aus offiziellen TeilnehmerInnen, aus Hofstaat, Diplomaten und böhmischen Abgesandten. Nur wenige waren Musikkenner, die meisten langweilten sich. Erst bei weiteren Aufführungen wurde der Oper Anerkennung zuteil.

Zum feierlichen Aufzug des neuen Königspaares im Prager Veitsdom dirigierte Salieri als Hofkapellmeister. Während er im Hradschin wohnte, musste Mozart mit einem Gasthaus vorlieb nehmen.

Julia Teresa Friehs