Ein Genie auf Stellensuche

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Der Traum, der bleibt: Wolfang Amadeus Mozart träumt (wie sein Vater Leopold) von einer Anstellung am Hof – erhalten hat er sie allerdings nicht.

1765 verhinderte eine Pockenerkrankung einen weiteren Auftritt von Wolfgang und Nannerl Mozart am Wiener Kaiserhof. Langsam erholten sie sich, doch sollte Wolfgang tiefe Narben davon sein Leben lang im Gesicht tragen. Erst Ende 1767 waren sie wieder so weit gesund, dass sie vor der Kaiserin musizieren konnten. Diese empfing sie in schwarzer Trauerkleidung, die sie seit dem Tod ihres Mannes Franz Stephan stets trug.

Mittlerweile hatte Maria Theresia ihren Sohn Joseph II. zum Mitregenten in den österreichischen Ländern erhoben. Dieser war nun für Oper und Theater zuständig, jedoch sehr sparsam. Er fragte den zwölfjährigen Wolfgang, ob der eine Oper komponieren wolle. Allerdings erteilte er keinen Auftrag, wie es sich die Mozarts erhofft hatten. Die italienische Oper, die Wolfgang komponierte, wurde nie aufgeführt und er bekam kein Honorar. Vater Leopold zerstritt sich mit den Musikern und beschuldigte das Wiener Publikum, keinen Sinn für „ernsthafte Sachen“ zu haben.

Die zunehmende Bedeutung bürgerlicher AuftraggeberInnen zeigt sich daran, dass Mozart mangels kaiserlicher Aufträge für den reichen und berühmten Arzt und Magnetiseur Franz Mesmer das Schäferstück „Bastien und Bastienne“ schrieb.

Auch bei den anderen Kindern Maria Theresias, an deren Höfen Mozart sich präsentierte, gab es keine Anstellung: weder beim Großherzog Leopold von Toskana in Florenz, noch bei der mit dem König von Neapel verheirateten Königin Maria Karolina, noch bei Marie Antoinette in Paris oder Erzherzog Ferdinand Karl in Mailand. Für Ferdinand Karls Hochzeit hatte Mozart eine Festoper komponiert, die den jungen Erzherzog begeisterte. Doch die ersehnte Stelle als Hofkomponist blieb ihm auch hier verwehrt: Maria Theresia verbot ihrem Sohn ausdrücklich, den plötzlich in Ungnade gefallenen Mozart anzustellen, da er keinen „Komponisten oder solche unnützen Leute“ brauche.

Julia Teresa Friehs