Kaiser Karl im Gegenverkehr

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Stefan Zweig als Augenzeuge der endgültigen Abreise des letzten Monarchen Österreichs ins Schweizer Exil im Jahr 1919.

Der bedeutende österreichische Schriftsteller Stefan Zweig begegnete am 23. März 1919 zufällig Kaiser Karl, welcher sich im entgegenkommenden Zug Richtung Schweiz befand. In seinen Erinnerungen „Die Welt von Gestern“ hielt Stefan Zweig die Begegnung mit dem ins Exil fahrenden Kaiser für die Nachwelt fest.

„… Und nun sah ich seinen Erben, den letzten Kaiser von Österreich, als Vertriebenen das Land verlassen. Die ruhmreiche Reihe der Habsburger, die von Jahrhundert zu Jahrhundert sich Reichsapfel und Krone von Hand zu Hand gereicht, sie war zu Ende in dieser Minute. Alle um uns spürten Geschichte, Weltgeschichte in dem tragischen Anblick. Die Gendarmen, die Polizisten, die Soldaten schienen verlegen und sahen leicht beschämt zur Seite, weil sie nicht wussten, ob sie die alte Ehrenbezeigung noch leisten dürften (…) In diesem Augenblick war die fast tausendjährige Monarchie erst wirklich zu Ende. Ich wusste, es war ein anderes Österreich, eine andere Welt, in die ich zurückkehrte.“

Anita Winkler