1397–1439

Albrecht V.: Ehen und Nachkommen

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Albrecht hinterließ seine Witwe Elisabeth (1409–1444), eine Tochter Kaiser Sigismunds. In die Geschichte ist diese energische Frau vor allem dank der abenteuerlichen Entführung der ungarischen Stephanskrone eingegangen.

Nachdem aus ihrer Ehe mit Albrecht bislang neben einem Sohn namens Georg (geb. 1435), der jedoch kurz nach seiner Geburt verstarb, nur die zwei Töchter Anna (geb. 1432) und Elisabeth (geb. 1436 oder 1437) hervorgegangen waren, gab es beim Tod Albrechts keinen männlichen Nachfolger. Die Witwe war jedoch schwanger, als ihr Mann starb – ein Faktum, das ihr eine Zwangsverheiratung mit dem polnischen König Wladislaw Jagiello ersparte, wie sie von den böhmischen Ständen gefordert wurde.

Da die Behauptung der böhmischen Königswürde zunächst aussichtslos war, konzentrierte sich die Witwe auf die Bewahrung der Ansprüche in Ungarn. Um das Symbol der rechtmäßigen Herrschaft, die ungarische Stephanskrone, in ihre Gewalt zu bringen, sandte sie ihre Kammerfrau Helene Kottanerin auf eine abenteuerliche Mission. Es gelang der Vertrauten, die Krone aus dem königlichen Schloss von Visegrád zu entwenden und versteckt in einer halsbrecherischen Schlittenfahrt über die gefrorene Donau nach Komorn zu bringen, wo Elisabeth gerade in den Wehen lag. Auf diesen unsachgemäßen Transport soll die charakteristische Schräge des Kreuzes auf der Spitze der Krone zurückgehen.

Das kurz darauf geborene Kind war ein Knabe, der auf den Namen Ladislaus getauft wurde und bald den Beinamen „Postumus“ (der Nachgeborene) erhielt, da er erst nach dem Tod des Vaters auf die Welt gekommen war.

Seine energische Mutter hatte eigenständige Vorstellungen von der Zukunft. Sie missachtete die getroffenen Regelungen für eine vormundschaftliche Regierung, die dem nunmehrigen, aus der Leopoldinischen Linie der Habsburger entstammenden Chef des Hauses Friedrich V. zufallen sollte, der auch Albrechts Nachfolger als König des Heiligen Römischen Reiches wurde. Sie wollte den Knaben Friedrichs jüngerem Bruder Albrecht VI. anvertrauen, der, dadurch befeuert, in Opposition zu seinem Bruder ging, was in der Belagerung Friedrichs in der Wiener Burg gipfelte.

Erst als ihre Stellung durch den polnischen König Wladislaw III. zunehmend bedrängt wurde, söhnte sie sich mit Friedrich aus, übergab ihm ihren Sohn und die beiden Töchter als Mündel und folgte ihm auch die Stephanskrone aus. Der Konflikt mit Wladislaw um Ungarn dauert bis kurz vor ihrem Tod 1442 an.

Die jüngere Tochter (1436 oder 1437–1505), die nach ihrer Mutter den Namen Elisabeth erhielt, wurde von ihrem Vormund Friedrich 1459 mit dem Neffen des Gegners ihrer Mutter, Kasimir IV. von Polen-Litauen, vermählt und somit einer erhofften Annäherung zwischen den Dynastien geopfert.

Elisabeth identifizierte sich im Laufe ihrer langen, 38-jährigen Ehe mit dem polnischen König völlig mit seinen Zielen. So verfocht sie gegen die Interessen ihrer Herkunftsdynastie Habsburg die schließlich erfolgreiche Erlangung der böhmischen und ungarischen Krone für ihren ältesten Sohn Wladislaw (als König von Böhmen Wladislaw II.). Die bereits von den Zeitgenossen hoch geachtete Königin gilt als eine der bedeutendsten weiblichen Gestalten der polnischen Geschichte.

Ihre ältere Schwester Anna (1432–1462) wurde von ihrem Vormund Friedrich mit Herzog Wilhelm III. von Sachsen vermählt, von diesem nach der Geburt zweier Töchter jedoch verstoßen und für den Rest ihres Lebens in Gewahrsam auf der Eckartsburg in Thüringen festgehalten.

Martin Mutschlechner