Zwei Herrscher im Auto – Von Verkehrsmitteln für Kaiser und Volk

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Was Franz Joseph und Edward VII. im Auto besprochen haben, ist nicht überliefert. Dem österreichischen Kaiser war die Spritztour jedenfalls äußerst zuwider.

Zu seiner einzigen Autofahrt musste ihn erst der König von England überreden – und Franz Joseph war wenig begeistert von der technischen Neuerung. Gerüchteweise soll er die Fahrt in Bad Ischl 1908 folgendermaßen kommentiert haben: „G’stunken hat’s und g’sehn hat man nix!“ Auch anderen neuen Verkehrsmitteln stand der Kaiser ablehnend gegenüber; das Radfahren bezeichnete er gar als „wahre Epidemie“.

Eines der ersten Massenverkehrsmittel für die Bevölkerung Wiens war der sogenannte Omnibus, ein von einem oder mehreren Pferden gezogener Wagen. Das lateinische Omnibus bedeutet ‚für alle‘. Wie der Omnibus hatten auch die Pferdetramways – ab den 1860er Jahren von Pferden auf Schienen gezogene Wagen – und die elektrische Straßenbahn Ende des 19. Jahrhunderts erstmals fixe Fahrpläne und ein festgelegtes Streckennetz. Eine Art Taxi waren dagegen die Fiaker, die laut Österreichischer National-Encyklopädie „von 7 Uhr Morgens bis ungefähr 10 Uhr Abends in Bereitschaft“ fuhren.

Auf den Straßen Wiens herrschte ein ziemliches Gedränge, denn neben den öffentlichen Verkehrsmitteln und Mietwagen waren unzählige private Reitpferde und Kutschen des Adels und des Hofes unterwegs. Hinzu kamen die FußgängerInnen und FahrradfahrerInnen, später auch noch die AutomobilistInnen.

Die um 1900 eröffnete Stadtbahn, die die Stadt mit dem Umland verband, erweiterte den Bewegungsradius der WienerInnen zusätzlich. Problematisch an der dampfbetriebenen Stadtbahn war allerdings die Rauchentwicklung. Beklagt wurde, dass „dem Götzen Verkehr Rauchopfer dargebracht“ würden.

Christina Linsboth