Zwei Herrscher im Auto – Von Verkehrsmitteln für Kaiser und Volk

Kaiser Franz Josephs erste Automobilfahrt am 12. August 1908 auf der Ebenseer Strasse zu Bad Ischl. Heliogravüre nach einem Gemälde von Josef Schuster, 1908

Carl Stöger: Pferdetramway, um 1900

Am Graben, um 1900

Stockinger & Morsack: Wiener Omnibus, Farblithografie, um 1880

Was Franz Joseph und Edward VII. im Auto besprochen haben, ist nicht überliefert. Dem österreichischen Kaiser war die Spritztour jedenfalls äußerst zuwider.

Kaiser Franz Josephs erste Automobilfahrt am 12. August 1908 auf der Ebenseer Strasse zu Bad Ischl. Heliogravüre nach einem Gemälde von Josef Schuster, 1908

Carl Stöger: Pferdetramway, um 1900

Am Graben, um 1900

Stockinger & Morsack: Wiener Omnibus, Farblithografie, um 1880

Zu seiner einzigen Autofahrt musste ihn erst der König von England überreden – und Franz Joseph war wenig begeistert von der technischen Neuerung. Gerüchteweise soll er die Fahrt in Bad Ischl 1908 folgendermaßen kommentiert haben: „G’stunken hat’s und g’sehn hat man nix!“ Auch anderen neuen Verkehrsmitteln stand der Kaiser ablehnend gegenüber; das Radfahren bezeichnete er gar als „wahre Epidemie“.

Eines der ersten Massenverkehrsmittel für die Bevölkerung Wiens war der sogenannte Omnibus, ein von einem oder mehreren Pferden gezogener Wagen. Das lateinische Omnibus bedeutet ‚für alle‘. Wie der Omnibus hatten auch die Pferdetramways – ab den 1860er Jahren von Pferden auf Schienen gezogene Wagen – und die elektrische Straßenbahn Ende des 19. Jahrhunderts erstmals fixe Fahrpläne und ein festgelegtes Streckennetz. Eine Art Taxi waren dagegen die Fiaker, die laut Österreichischer National-Encyklopädie „von 7 Uhr Morgens bis ungefähr 10 Uhr Abends in Bereitschaft“ fuhren.

Auf den Straßen Wiens herrschte ein ziemliches Gedränge, denn neben den öffentlichen Verkehrsmitteln und Mietwagen waren unzählige private Reitpferde und Kutschen des Adels und des Hofes unterwegs. Hinzu kamen die FußgängerInnen und FahrradfahrerInnen, später auch noch die AutomobilistInnen.

Die um 1900 eröffnete Stadtbahn, die die Stadt mit dem Umland verband, erweiterte den Bewegungsradius der WienerInnen zusätzlich. Problematisch an der dampfbetriebenen Stadtbahn war allerdings die Rauchentwicklung. Beklagt wurde, dass „dem Götzen Verkehr Rauchopfer dargebracht“ würden.

Christina Linsboth