1797–1826

Leopoldina - eine brasilianische Patriotin

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Auf Leopoldina geht nicht nur das habsburgische Goldgelb in der brasilianischen Nationalflagge zurück. Auch sonst beteiligte sie sich aktiv am Aufbau des jungen Kaiserreiches Brasilien.

Nach Ausrufung der Unabhängigkeit im September 1822 war alles voll Freude und Enthusiasmus. Leopoldina stürzte sich in die Arbeit; sie entwarf Armbinden und Abzeichen; auf grünem Grund wurde ein goldgelbes Dreieck genäht. Grün galt ab sofort als die Farbe der Braganças, und goldgelb galt überall als die Farbe der Habsburger.Noch heute sind grün und gelb die dominanten Farben in der Nationalflagge Brasiliens, und das Gelb darin gilt auch heute noch als eine Huldigung an die Habsburger Prinzessin Leopoldina. Auch stattete Leopoldina die Leibgarde Pedros mit neuen Uniformen aus, nach dem Vorbild der böhmischen Garde. Die Cortes schäumten: Die Brasilianer sind schon halbe Österreicher.

Leopoldina bereitete auch die Krönungszeremonie vor, sie entwarf den Krönungsornat. Die österreichischen Diplomaten reagierten schockiert auf die Idee einer Krönungszeremonie, denn Pedro war nicht Kaiser von Gottes Gnaden, er galt als ein vom Volk erwählter Kaiser, und dazu fiel den Diplomaten der Name „Napoleon“ ein! Trotz aller Einwände wurde Pedro am 12. Oktober 1822, an seinem 24. Geburtstag, gekrönt. Er nahm den Titel eines konstitutionellen Kaisers und ständigen Verteidigers von Brasilien an.

Sofort wurde auch begonnen, das Kaiserreich Brasilien besser zu organisieren. In leerstehenden Häusern wurden Spitäler eingerichtet; eine Flotte war nötig, und da Leopoldina englisch sprach, gewann sie dafür Lord Cochrane.

Ein wichtiger Aspekt, den Leopoldina bald nach ihrer Ankunft erkannt hatte, war die Notwendigkeit einer organisierten Einwanderung. Ihrem Bruder Ferdinand schrieb Leopoldina im Jänner 1818, „…sonst ist das Land in Cultur noch sehr zurück und wenn nicht mehr Bevölkerung kommt, wird es schwer anders werden…“

Der Arzt Dr. Georg Schäffer warb in Wien im Auftrag von Leopoldina um Einwanderer für Brasilien und es kamen im Juni 1824 die ersten deutschsprachigen Einwanderer in Rio de Janeiro an.

All diese Aktivitäten zeigen, dass Leopoldina sich mit der Unterschrift unter die Unabhängigkeitserklärung als brasilianische Patriotin fühlte - vielleicht wollte sie sich dazu erziehen. Denn mit dieser Unterschrift hatte sie gleichzeitig jede Hoffnung auf eine Rückkehr nach Europa, auf ein Wiedersehen mit ihrer Familie aufgegeben. In der raschen Aufeinanderfolge der politischen Aktivitäten konnte sie die ganze Tragweite dieser Entscheidung wahrscheinlich nicht ermessen. Spätestens aber mit der Verbannung von José Bonifácio (November 1823), war sie ohne freundschaftlichen Gedankenaustausch.

Die kurze Zeit der Freundschaft mit der Engländerin Maria Graham milderte zwar den Druck ihres Emigrantenlebens, doch Leopoldina litt enorm unter „Saudade“ (portugiesisch für Heimweh, Sehnsucht).

Gloria Kaiser