Ein schwieriges Verhältnis – Maria Theresias Spuren in Prag

Druckversion

Maria Theresias Regentschaft begann für die Prager im wahrsten Sinne des Wortes mit Bomben und Granaten. Die Herrschaft der gerne als fürsorgliche Landesmutter dargestellten Regentin hinterließ in den böhmischen Ländern einen bitteren Beigeschmack: Als "macecha Čech" – Stiefmutter Böhmens – wird sie von den Tschechen auch bezeichnet.

Die stolze Königsstadt Prag war nach der endgültigen Verlegung des Kaiserhofes nach Wien  ins provinzielle Abseits geraten. Der österreichische Erbfolgekrieg riss dann die Stadt aus dem Schlaf: 1741 wurde Prag von den alliierten bayrischen und französischen Truppen erobert. Die böhmischen Stände sahen sich gezwungen, dem bayrischen Kurfürsten Karl Albert als böhmischen König zu huldigen – eine Krönung fand nicht statt, da man die Krone und die Krönungsinsignien rechtzeitig nach Wien in Sicherheit gebracht hatte.

Im Jahr darauf kam Prag wieder unter österreichische Verwaltung. 1743 wurde Maria Theresia im Veitsdom zur Königin gekrönt. Ihr Verhältnis zu Böhmen blieb aber zeitlebens unterkühlt, sie konnte den Böhmen lange Zeit nicht verzeihen, dass diese in Zeiten der ärgsten Bedrängnis dem bayrischen Gegenspieler gehuldigt hatten. In einem Brief bezeichnete sie die böhmische St. Wenzelskrone spöttisch als „Narrenhäubl“, das ihr schwerer am Haupt läge als die ungarische Krone…

Neuerliche Zerstörungen durch preußische Heere brachte der Siebenjährige Krieg. Auf Grund der Kriegsschäden und des Verfalls nach Jahrzehnten der Nichtnutzung stand die Prager Burg in auffälligem Kontrast zur barocken Pracht der Kirchen und Adelspaläste in der Stadt zu Füßen des Burgberges. In den Jahren 1755–1775 wurde schließlich ein groß angelegter Umbau unter der Leitung des Wiener Hofarchitekten Pacassi durchgeführt. Das urtümliche Konglomerat von Bauten verschiedensten Alters verschwand hinter einer gleichförmigen Fassade, deren breit gelagerte Horizontale bis heute prägend für die Ansicht der Burg von der Stadtseite ist.

Ebenso vereinheitlichend reorganisierte Maria Theresia die staatliche Verwaltung des böhmischen Königreiches. Die letzten Reste politischer Eigenständigkeit der ehemals stolzen Länder der böhmischen St. Wenzelskrone – Böhmen, Mähren und der unter habsburgischer Herrschaft verbliebene Teil Schlesiens – wurden beseitigt. Die böhmischen Länder wurden zu von den zentralen Wiener Behörden regierten Provinzen, deren Verwaltung mit der der österreichischen Erbländer zusammengelegt wurde. Diese Gleichschaltungspolitik wurde unter Joseph II. verstärkt fortgesetzt und war mit ein Grund für das traditionelle Misstrauen der gerade im Entstehen befindlichen modernen tschechischen Nation gegenüber Wien.

Martin Mutschlechner