Eduard Gurk: Die Krönung Kaiser Ferdinands I. zum böhmischen König im Dom zu Prag 1836, Aquarell, um 1836

Szene aus den Krönungsfeierlichkeiten für Ferdinand I. in Prag 1836

Szene aus den Krönungsfeierlichkeiten für Ferdinand I. in Prag 1836

Wilhelm Gause: Prag: In der Ausstellung 1891, Zeichnung, 1898

Der Kaiser im Kriegsjahr 1914, Propagandapostkarte

Der Hradschin von der Moldau aus gesehen, Foto, 19. Jahrhundert

"Als Böhmen noch bei Öst’reich war …"

Eduard Gurk: Die Krönung Kaiser Ferdinands I. zum böhmischen König im Dom zu Prag 1836, Aquarell, um 1836

Szene aus den Krönungsfeierlichkeiten für Ferdinand I. in Prag 1836

Szene aus den Krönungsfeierlichkeiten für Ferdinand I. in Prag 1836

Wilhelm Gause: Prag: In der Ausstellung 1891, Zeichnung, 1898

Der Kaiser im Kriegsjahr 1914, Propagandapostkarte

Der Hradschin von der Moldau aus gesehen, Foto, 19. Jahrhundert

Dieses sentimentale Lied lässt die Spätzeit habsburgischer Herrschaft in Böhmen in vermeintlich goldenem Licht erglühen. Tatsächlich werden jedoch einige Habsburger auf dem böhmischen Thron an der Moldau mit anderen Augen gesehen als an der Donau.

Eduard Gurk: Die Krönung Kaiser Ferdinands I. zum böhmischen König im Dom zu Prag 1836, Aquarell, um 1836

Szene aus den Krönungsfeierlichkeiten für Ferdinand I. in Prag 1836

Szene aus den Krönungsfeierlichkeiten für Ferdinand I. in Prag 1836

Wilhelm Gause: Prag: In der Ausstellung 1891, Zeichnung, 1898

Der Kaiser im Kriegsjahr 1914, Propagandapostkarte

Der Hradschin von der Moldau aus gesehen, Foto, 19. Jahrhundert

1848 kam es zu dem bekannten Machtwechsel im Hause Habsburg. Kaiser Ferdinand I. trat zu Gunsten seines jungen Neffen Franz Joseph zurück. Ferdinand, dessen Krönung zum König von Böhmen die letzte derartige Zeremonie im Prager Veitsdom darstellte, stand in besonderer Verbindung mit Prag, denn Franz Joseph und Karl I. verzichteten auf eine Krönung. Ferdinand, der in Österreich eher als ‚Betriebsunfall‘ im Hauses Habsburg gesehen wird, residierte nun fern von der hohen Politik auf dem Prager Hradschin und auf seinen weitläufigen böhmischen Gütern um Reichstadt, bis er 1875 hoch verehrt und hoch betagt im Alter von 82 Jahren starb.

Der oft als unfähig dargestellte Exkaiser entwickelte in Bezug auf die Vermehrung seines Vermögens ein erstaunliches Geschick. Ferdinand hatte zwar auf den kaiserlichen Thron verzichtet, nicht jedoch auf das kaiserliche Privatvermögen. Franz Joseph hatte dadurch mit massiven finanziellen Problemen zu kämpfen – er war nun das Oberhaupt der Familie, hatte jedoch kaum frei verfügbares Privatvermögen. Also blieb Franz Joseph nichts anderes übrig, als des Öfteren geheime Reisen als Bittsteller zum reichen Onkel nach Böhmen zu unternehmen, der hier auf Grund seiner gutmütigen Liebenswürdigkeit sehr populär wurde – wohl auch als Reaktion auf den autoritären Regierungsstil Franz Josephs.

Kaiser Franz Joseph gilt auch in Prag als Symbol des späten Glanzes habsburgischer Herrschaft, wenn auch aus tschechischer Sicht durch das Scheitern des Böhmischen Ausgleichs 1871 (nach dem Muster des Ungarischen Ausgleichs von 1867) getrübt. In Böhmen wird er scherzhaft „der alte Procházka“ genannt: Bei einem Besuch in Prag wurde in den Zeitungen ein Foto, auf dem Franz Joseph beim Spaziergang über eine der Moldaubrücken zu sehen ist, mit der tschechischen Bildunterschrift: „Procházka na mostě“ (Spaziergang auf der Brücke) veröffentlicht. Procházka bedeutet Spaziergang, ist zugleich aber auch ein häufiger Familienname und eine Anspielung auf die kleinbürgerlich-beamtenhafte Lebensführung des alternden Kaisers.

Nach 1918 wehte ein frischer Wind durch die altehrwürdigen Gemäuer des Hradschins. Präsident Tomáš G. Masaryk beauftragte den Architekten Josip Plečnik, die alte Königsburg mit Hilfe gekonnt gesetzter moderner Eingriffe zum Amtssitz des Präsidenten der neu gegründeten Tschechoslowakischen Republik umzugestalten.

Martin Mutschlechner