1527–1576

Maximilian II. als Herrscher in den Erbländern

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In den mitteleuropäischen Stammländern der Habsburger verkomplizierte sich die Situation durch die Aufsplitterung des Hauses in mehrere Linien nach dem Tod Ferdinands I.

Gemäß dem Testament Ferdinands wurden die habsburgischen Territorien 1564 unter  dessen Söhnen aufgeteilt.

Maximilian erhielt als ältester Sohn die Herrschaft über das Erzherzogtum Österreich (Nieder- und Oberösterreich) sowie die Kronen Ungarns und Böhmens: Hier war die habsburgische Herrschaft noch jung, den diese weiten Gebiete waren ja erst über Maximilians Mutter Anna, die Erbtochter des Hauses Jagiello, an die Habsburger gekommen. Für Maximilian hieß dies Präsenz zu zeigen: Mit seinem Hof pendelte er zwischen den Residenzen in Prag und Wien.

Der nächstälteste Bruder, der wie sein Vater Ferdinand hieß, erhielt Tirol und die Vorlande und wählte Innsbruck als Residenz.

Der jüngste Bruder, Karl, wurde Landesherr in Innerösterreich, also den Territorien im südöstlichen Alpenraum (Steiermark, Kärnten, Krain und Görz) sowie den habsburgischen Gebieten an der Oberen Adria und in Friaul. Die steirische Linie residierte fortan in Graz.

Als Landesfürst war Maximilian nun mit Problemen konfrontiert, die die habsburgische Herrschaft in den nächsten Generationen bestimmen sollten: Der Konflikt mit den Ständen um die Beteiligung an der Landesherrschaft, die nun durch die konfessionelle Problematik verschärft wurde.

Die gemäßigte Haltung Maximilians in religionspolitischen Fragen wurde auf eine harte Probe gestellt. Die konfessionelle Situation in den verschiedenen Teilen der Herrschaftsgebiete Maximilians war sehr unterschiedlich. Die Böhmischen Ländern waren bereits seit dem 15. Jahrhundert von einer weiten Bandbreite verschiedener Konfessionen geprägt. Die verschiedenen Strömungen, die sich auf das hussitische Erbe beriefen, wurden nun verstärkt durch den Einfluss der deutschen Reformation. Der Katholizismus war hier nur mehr ein Minderheitenprogramm. In Ungarn war man von einer konfessionellen Einheit ebenfalls weit entfernt. Es herrschte de facto Religionsfreiheit für die privilegierten Schichten des Adels und des Bürgertums – die Untertanen wurden ohnedies weder von der einen noch von der anderen Seite um ihre Meinung gefragt.

Anders war die Situation in Erbländern: hier war die habsburgische Herrschaft bereits etabliert, der Landesfürst verfügte hier über einen größeren Handlungsspielraum. Auch war hier die katholische kirchliche Infrastruktur zwar reformbedürftig, aber im Vergleich zu Böhmen und Ungarn relativ intakt. Aber auch hier wurde der Druck des mehrheitlich protestantischen Adels immer stärker, und 1568 garantierte Maximilian schließlich die Anerkennung des lutherischen Bekenntnisses für den Adel. Es folgten vergebliche Versuche Maximilians, im Sinne eines Staatskirchentums Einfluss auf die sich bildende protestantische Kirchenorganisation zu nehmen.

In dieser schwierigen Situation kam es zu einer rapiden Verschlechterung seines Gesundheitszustandes: Maximilian litt an einer Herzkrankheit und war sich bewusst, dass er nicht mehr lange regieren würde. Es gelang ihm noch 1575 auf dem Regensburger Reichstag seinen Sohn Rudolf als Nachfolger im Reich durchzusetzen. Kurz nach Abschluss der Verhandlungen starb Maximilian.

Der Kaiser verweigerte am Totenbett die Sterbesakramente nach katholischem Ritus, was die Diskrepanz im Leben Maximilians nochmals aufzeigte: Innerlich hatte der Habsburger sich von der katholischen Kirche gelöst, ohne sich aus dynastischen und politischen Gründen jemals offiziell zum Protestantismus bekennen zu können.

Maximilian wurde in der Königsgruft im Prager Veitsdom begraben. 

Martin Mutschlechner