1527–1576

Maximilian II.: Vergebliche Versuche einer Vermittlung

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Maximilian musste vorsichtig agieren: Denn obwohl er in Glaubensfragen zur protestantischen Seite neigte, war er trotz allem ein Verfechter des imperialen Anspruchs der Dynastie.

Die protestantische Partei unter den deutschen Fürsten verband mit der Abkehr vom alten Glauben und ihrer Forderung nach konfessioneller Pluralität nämlich auch die politische Emanzipation aus der Autorität des Kaisers. Die Reformation war nicht nur in theologischer Hinsicht eine Erschütterung für den Zusammenhalt des Reiches.

Die zunehmende körperliche Schwäche Ferdinands I. ließ die Nachfolgefrage akut werden. Die protestantischen Reichsfürsten versprachen sich von Maximilian, der 1562  zum Römischen König gewählt wurde, eine Fortsetzung der auf Ausgleich bedachten Religionspolitik seines Vaters.

Sie wurden darin nicht enttäuscht: Maximilian war als Oberhaupt des Reiches nach dem Tod des Vaters 1564 ein Verfechter einer Kompromisspolitik zwischen den Konfessionen. Er hielt sich strikt an den von seinem Vater mitgetragenen Augsburger Religionsfrieden von 1555. Während seiner Regentschaft wurde Maximilian zu einem bewahrenden Element der Reichspolitik und versuchte, die Gemeinsamkeiten zwischen den gemäßigten lutherischen und katholischen Vertretern zu betonen und eine weitere Aufsplitterung der Konfessionen zu verhindern. Angesichts des zunehmenden Einflusses des Kalvinismus unter den Reichsfürsten radikalisierte sich die Situation zunehmend und der Kaiser geriet in die Defensive.  

Die Versuche des Kaisers, zwischen den Extrempositionen als neutraler Vermittler aufzutreten, scheiterten. Dies zeigte sich besonders deutlich in den Niederlanden: Diese waren ein vom spanischen König regierter Teil des Reiches, der sich zu einem der gefährlichsten Krisenherde der Epoche entwickelt hatte, nachdem die Rebellion der protestantischen nördlichen Provinzen gegen die spanische Herrschaft Erfolge zeigte. 

Martin Mutschlechner