Horn: Stadt der aufrührerischen Stände

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1608 tagte der Horner Bund. Eine Versammlung evangelischer Adeliger beabsichtigte, ihre religiösen Anliegen gegenüber dem Landesherrn Matthias durchzusetzen.

 

„Der Türke ist der Lutheraner Glück“ hieß es bereits in der Regierungszeit Ferdinands I., da die ständig drohende Türkengefahr die habsburgischen Herrscher zu Zugeständnissen zwang.

Seit dem Augsburger Religionsfrieden 1555 kam es vermehrt zu machtpolitischen Auseinandersetzungen zwischen Kaiser, Reichsständen und Territorialherren. Seit dem Religionsfrieden mussten alle Untertanen die Konfession ihrer Landesfürsten annehmen. Wer nicht bereit war zu konvertieren, sollte auswandern. Nachdem Matthias infolge des Bruderzwists mit Rudolf II. und der Unterstützung protestantischer Stände als Landesherr für Ober- und Niederösterreich bestimmt worden war, nutzten evangelische Adelige die Gelegenheit, ihre Rechte und Privilegien gegenüber der stärker werdenden Gegenreformation zu sichern. Vier Fünftel des Adels waren evangelischen Bekenntnisses. Insbesondere niederösterreichische, oberösterreichische und mährische Adelige schlossen sich im Horner Bund zusammen und beriefen im Oktober 1608 eine Versammlung ein, in der die weitere Vorgangsweise besprochen werden sollte. Sie wollten Matthias den Treueeid (Erbhuldigung) erst dann garantieren, wenn er ihnen im Gegenzug freie Religionsausübung zugestand.

Da der Herrscher besonders in Zeiten des Türkenkrieges auf die Unterstützung der Stände angewiesen war, musste er schließlich auf ihre Bedingungen eingehen: Freie Religionsausübung wurde evangelischen Adeligen in ihren Schlössern, Dörfern und Festungen gestattet. Weiters waren ihnen drei Kirchen, nämlich in Inzersdorf, Tribuswinkel und Hernals, „zu ihrem Exercitio vergönnet“. Im Gegenzug hatten die ‚aufständischen‘ Adeligen den Horner Bund zu lösen.

Politisch gesehen verloren die evangelischen Adeligen aber zusehends an Macht; dem Hof gelang es, die katholischen Ständemitglieder, etwa durch die Vergabe von Ämtern noch stärker in die Politik einzubeziehen. Da die evangelischen Stände in Niederösterreich in einem relativ unabhängigen Verhältnis zum Hof standen, wurde damit auch ihr Einfluss zurückgedrängt.

Anita Winkler