Habsburg & Co. Ges.m.b.H – Habsburger als Industrielle

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Überspitzt formuliert könnte man sagen, dass sich unter den Habsburgern nicht nur Kaiser und Könige finden, sondern auch Kohlenbarone und Wirtschaftsmagnaten. Das Albertina-Palais als exklusiver Rahmen für die Graphische Sammlung erinnert noch heute an eine Nebenlinie des Hauses Habsburg, die neben Kunst auch Aktien sammelte.

Am Anfang stand eine Liebesheirat: Marie Christine, die bevorzugte Tochter Maria Theresias, hatte 1766 ihre Heirat mit dem mittellosen Albert Kasimir von Sachsen durchgesetzt. Das junge Paar wurde mit Ländereien in Ungarn und Slawonien aus dem Erbe nach Franz Stephan großzügig ausgestattet. Durch die Verleihung des Kronlehens Herzog von Teschen (polnisch: Cieszyn; tschechisch: Těšín) geworden, nannte Albert sich von nun an “von Sachsen-Teschen”. Das Herzogtum lag in dem kleinen Teil von Schlesien, der nach den Kriegen mit Friedrich von Preußen unter habsburgischer Herrschaft verblieben war. Albert investierte mit großem Erfolg nicht nur in sein prunkvolles Wiener Palais und seine Kunstsammlung, sondern auch in die beginnende Industrialisierung seiner Güter in Teschen, wo reiche Kohlevorkommen und Erzlagerstätten gefunden wurden.

Fortgeführt wurde diese Entwicklung von Alberts Nachfolger in Teschen, dem als Feldherr gegen Napoleon zu einiger Berühmtheit gelangten Erzherzog Carl, der vom kinderlos gebliebenen Herzogspaar Albert und Marie Christine adoptiert worden war. Karl erwarb sich nicht nur als militärischer Befehlshaber, sondern auch als Industriepionier Lorbeeren: So gründete er 1839 das Stahlwerk von Třinec (südöstlich von Teschen) und beteiligte sich gewinnbringend an der Erschließung des nordmährisch-schlesischen Industrie- und Bergbaureviers um Mährisch Ostrau (tschechisch: Moravská Ostrava), das durch den Bau der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn unter der Führung der Bankiersdynastie Rothschild mit der Hauptstadt Wien verbunden wurde. Der Grundstein zu einer der bedeutendsten Schwerindustrieregionen der Monarchie war gelegt.

Carls Sohn und Erbe, Erzherzog Albrecht, bekannt als graue Eminenz hinter Franz Joseph, verdankte sein selbstbewusstes politisches Auftreten nicht zuletzt seiner finanziellen Unabhängigkeit, da sein persönliches Privatvermögen das des Kaisers weit übertraf. Auch Albrecht starb kinderlos, und so wurde die Linie von seinem Neffen Erzherzog Friedrich fortgeführt. Friedrich, dessen politisches Wirken sehr zwiespältig beurteilt wird, war einer der führenden Industriekapitäne der Monarchie: Zu seinen Betätigungsbereichen zählte um 1900 neben Kohleabbau, Erzgewinnung und Verhüttung auch die Lebensmittelindustrie. Friedrich baute ein regelrechtes Milchimperium auf. Seine Molkereien und Käsereien beherrschten den österreichischen Markt.

Martin Mutschlechner