Eine Hymne für den Kaiser

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Auch die Musik stand ganz im Zeichen der Herrschaftswürdigung: Joseph Haydn komponierte aus Anlass des Geburtstages Kaiser Franz II./I. das „Kaiserlied“, dem eine wechselvolle Geschichte zuteil wurde.

1797 komponierte Joseph Haydn seine wohl bekannteste Melodie – das Lied „Gott erhalte“. Diese nationale Hymne im Stil des englischen „God Save The Queen“ war als Antwort auf die französische Marseillaise gedacht, die 1792 während der Kriegserklärung an Österreich verfasst und 1795 zur französischen Nationalhymne erklärt worden war. Das „Kaiserlied“ sollte inmitten der Auseinandersetzungen um Napoleons territoriale Ansprüche in Europa das Nationalgefühl der Monarchie heben. Das englische Vorbild hatte Haydn vermutlich bei Aufenthalten in London kennengelernt. Der Kompositionsauftrag ging auf den niederösterreichischen Regierungspräsidenten Franz Joseph Graf von Saurau zurück. Dieser wandte sich am 30. Jänner 1797 mit folgender Mitteilung an die Prager Obrigkeiten:

„Hochgebohrener Graf!
Es wird Seiner Excellenz bekannt sein, welche Wirkung das bekannte englische Volkslied, God save the King, auf das Volk hervorgebracht, und wie sehr dasselbe seit so langer Zeit den Nationalgeist zur gemeinschaftlichen Vertheidigung gegen auswärtige Feinde in thätiger Spannung erhalten habe.
Das hier beiliegende Lied, verfasst von Haschka, und in Musik gesetzt von dem berühmten Hayden, wird am 12. Hornung, als dem Geburtstage des Kaisers, in allen Theatern Wiens von dem Volke abgesungen werden […]“

Am 12. Februar 1797, dem Geburtstag des Kaisers Franz II./I., wurde das Lied in voller Orchestrierung in Anwesenheit des Kaisers im Alten Burgtheater am Michaelerplatz uraufgeführt. Die TheaterbesucherInnen wurden zum Mitsingen aufgefordert. Gleichzeitig sollte das Lied auch in Prag dargeboten werden. Zeitungen berichteten vom „Enthusiasmus des Publikums“ beim gemeinsamen Absingen der neuen Hymne, der ein großer Erfolg beschieden war.

Das „Kaiserlied“, auch als „Volkshymne“ bezeichnet, blieb mit unterschiedlichen Texten und in verschiedenen sprachlichen Fassungen bis 1918 die „Kennmelodie“ der Habsburgermonarchie. Mit einem neuen Text von Ottokar Kernstock versehen („Sei gesegnet ohne Ende“) stand die Melodie von 1929/30 bis 1938 als Hymne der Republik Österreich in Verwendung. Daneben kam Haydns Hymne ab 1922 - mit anderem Text - auch in Deutschland zum Einsatz: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben verfasste 1841 das sogenannte Deutschlandlied, dessen erste Strophe im Nationalsozialismus zu Haydns Melodie gesungen wurde. Die Melodie dient bis heute - nun gesungen mit der dritten Strophe von Fallerslebens Deutschlandlied - als deutsche Hymne.

Julia Teresa Friehs