Ein Verkehrshindernis: Das Theater nächst dem Kärnthnertor

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Der Theaterboom im Habsburgerreich des 18. Jahrhunderts hat zahlreiche Theaterneubauten zur Folge – wenn auch nicht immer so große, wie es sich die Kaiserin gewünscht hätte.

1709 wurde das „Theater nächst dem Kärnthnertor“ etwa an der Stelle des heutigen Hotel Sacher errichtet. Ursprünglich sollte an diesem Ort ein Forum für das deutschsprachige Schauspiel entstehen. Allerdings wurden zunächst auf Anordnung Kaisers Josephs I. italienische Opern bevorzugt, damals eine den Eliten vorbehaltene Unterhaltungsform. Ein sehr breites Programm machte das Theater ab 1711 zur von allen Wiener Bevölkerungsschichten frequentierten Vergnügungsstätte. Hier trieben komische Figuren wie der besonders beliebte Hanswurst ihre Späße. Über die alte Stadtmauer führte – 1748 auf Anordnung Maria Theresias errichtet – ein Übergang vom Wall aus direkt in die kaiserliche Loge.

1761 brannte das Kärntnertortheater ab. Maria Theresia hegte große Pläne: Anstelle des alten Theaters sollte unter Einbeziehung eines Teils des neben dem Brandplatz liegenden Bürgerspitals ein großer Theaterbau für deutsches und französisches Theater entstehen. Die Stadt Wien vereitelte diesen Plan und so wurde das Kärntnertortheater, leicht erweitert, „anwiederum auf dem alten Platz auf eigene allerhöchste Kosten“ vom Hofarchitekten Nicolaus Pacassi errichtet. Grund und Brandruine hatte die Stadt dem Hof verkauft. 1763 wurde es als „kaiserliches Hoftheater“ wiedereröffnet. Den Tagebüchern des Obersthofmeisters Maria Theresias, Johann Joseph Fürst Khevenhüller-Metsch, zufolge war das Kaiserhaus regelmäßig bei den deutschen Aufführungen im Kärntnertortheater zugegen, wo es eine eigene Loge besaß. Da der Platz um das Gebäude durch die engen Gassen und die Lage an der Bastei sehr beschränkt war, wurde eine „Parkordnung“ für die Pferdefuhrwerke der anfahrenden Gäste erlassen, die nur in Zweierreihen halten durften.

Doch nicht nur in der Residenzstadt, auch in den Erblanden, in Böhmen, Ungarn und Lombardo-Venetien bestand in den Städten eine lebhafte Theaterkultur. Zu den etablierten Häusern gesellten sich – insbesondere nach dem Jahr der Schauspielfreiheit 1776 – kleinere Theater, Wandertruppen, Laienaufführungen und Jahrmarktspektakel für ein breites Publikum. Der großen Masse der Bevölkerung waren aufgrund sozialer und wirtschaftlicher Barrieren die großen Theater verschlossen. In diesem kulturellen Bereich zeigte sich besonders deutlich die Trennung zwischen Eliten- und Volkskultur.

Julia Teresa Friehs