Theresienstadt

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Theresienstadt (tschechisch Terezín) ist eine Kleinstadt im Norden der Tschechischen Republik, die nach Maria Theresia benannt ist. Bei Theresienstadt denkt man jedoch heute weniger an die Namengeberin aus dem Haus Habsburg, sondern an die Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten.

Als Reaktion auf die Erfahrungen aus den Kriegen Maria Theresias, als Böhmen ohne große Schwierigkeiten von feindlichen Armeen überrannt werden konnte, wurden an strategisch wichtigen Punkten in Böhmen Festungen angelegt. Nach neuesten fortifikationstechnischen Erkenntnissen erbaut, wurden die bedeutendsten Anlagen als Zeichen der wiedererstandenen habsburgischen Herrschaft in den böhmischen Ländern nach habsburgischen Herrschern benannt – neben Theresienstadt sei hier auch die Festung Josefstadt (tschechisch Josefov) erwähnt.

Theresienstadt wurde in den Jahren 1780–1790 unter Joseph II. als Festungsstadt errichtet. Die gewaltige Anlage, die im Kriegsfall eine Besatzung von fast 15.000 Mann aufnehmen sollte,  besteht aus mehreren Teilen: Neben der eigentlichen Festungsstadt entstand durch den Fluss Eger (tschechisch Ohře) getrennt die so genannte Kleine Festung.

Die Stadt, die sich innerhalb der Festungsmauern auf einem rasterförmigen Grundriss entwickelte, ist bis heute geprägt durch den eher düsteren Charakter der Bauten im trockenen Stil des militär-äraischen Klassizismus.

Theresienstadt musste sich niemals militärisch bewähren und wurde 1882 endgültig als Festung aufgelassen, die Befestigungsanlagen wurden jedoch belassen. Die stark bewehrte Kleine Festung diente nun als Staatsgefängnis der österreichischen Monarchie. Unter anderem war hier der Attentäter von Sarajevo, Gavrilo Princip, inhaftiert.

Traurige Berühmtheit erlangte Theresienstadt als Stätte nationalsozialistischer Gräueltaten. Nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei durch Hitler und der Errichtung des „Protektorates Böhmen und Mähren“ unter nationalsozialistischer Verwaltung wurde die Zivilstadt Theresienstadt zu einem Durchgangslager für bis zu 160.000 jüdische Deportierte aus ganz Europa auf dem Weg in die Konzentrationslager. In zynischer Weise inszenierte die nationalsozialistische Propaganda das Theresienstädter Ghetto als Vorzeigelager für internationale Beobachter („Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“). Die Kleine Festung diente als Internierungslager und Gefängnis.

Theresienstadt, wo in den Jahren 1940–1945 allein 38.000 Menschen den Tod fanden, wurde so zu einem Symbol der nationalsozialistischen Unmenschlichkeit. Die Kleine Festung ist heute eine internationale Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus.

Martin Mutschlechner