Mit Kräutern heilen. Theriak und andere Rezepturen

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Der Glaube an die Wirkung von Naturheilkräften verweist auf jahrtausendlange Traditionen und Überlieferungen. Magische Vorstellungen und Religiosität gepaart mit den Wirkstoffen von Pflanzen versprachen wundersame Heilung.

Als besonders heilkräftig galten Pflanzen mit einem außergewöhnlichen Aussehen. Der Alraune etwa wurde ob ihrer menschenähnlichen Form besondere Zauberkraft attestiert. Nach dem Prinzip der Ähnlichkeit wurden etwa Bohnen bei Nierenleiden verschrieben, herzförmige Blätter und Pflanzen mit roter Blütenfarbe sollten bei Herzleiden und Bluterkrankungen helfen.

Diese Vorgangsweise, Gleiches mit Gleichem zu behandeln, resultierte aus der so genannten Signaturenlehre, deren wohl bekanntester Vertreter Paracelsus war. Diese Lehre ging davon aus, dass der Mensch nicht aus sich selbst heraus zu verstehen sei, sondern nur vom Makrokosmos her begriffen werden könne. Demnach waren dem Körper fehlende Substanzen aus der Natur zuzuführen oder überflüssige abzuführen. Auch den ungebildeten Bevölkerungsschichten war die Heilkraft der Pflanzen bekannt. Die vielfach als Kräuterweiber bezeichneten pflanzenkundigen Frauen waren die erste Anlaufstelle für Kranke, da sich ausgebildete Mediziner im 16. Jahrhundert nur selten praktisch betätigten, sondern dem reinen Buchstudium widmeten. Oftmals in Kombination mit Sprüchen und Gebeten wurde versucht, den BittstellerInnen zu helfen. Derartige spezielle magische Künste beherrschten allerdings nur wenige kundige Männer und Frauen, weswegen sie nicht selten auch der Hexerei verdächtigt wurden.

Ein wirksames, teures und weitverbreitetes Allheilmittel war Theriak, der noch heute in abgewandelter Form als “Schwedenbitter” bekannt ist. Im Laufe der Zeit entstanden viele Rezepturen, deren Zubereitung immer aufwendiger und kostspieliger wurde. Neben Opium galt Vipernfleisch als wichtiger Bestandteil, das man teuer aus Venedig beziehen musste. Die Ingredienz Mumia war nicht minder schwierig aufzutreiben, da sie aus mumifizierten Leichen gewonnen wurde. Im 16. Jahrhundert profitierten manche Handelsstädte von der Einfuhr spezieller Produkte aus den überseeischen Ländern. Natürlich wurde auch versucht, Alternativen für die teuren Ingredienzen zu finden. In der Volksmedizin wurde daher häufig Mumia durch das billigere Menschenschmalz (auch Armensünderfett genannt) ersetzt, das man beim Henker kaufte.

Anita Winkler