Schubladisierung: Die Musealisierung der habsburgischen Kunstsammlungen

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Im 18. Jahrhundert begann man ganz im Sinne der Aufklärung mit der Musealisierung der Sammlungen. Die habsburgischen Kunstkammern wurden auf mehrere Disziplinen aufgeteilt.

Aus den scheinbar bunt zusammengewürfelten Sammlungen in den Kunstkammern entstanden im Zuge der Musealisierung mehrere Spezialsammlungen. Urkunden kamen in Archive, Bücher in Bibliotheken, die weiteren Bestände wurden in naturkundliche Sammlungen und Kuriosa getrennt. Die Kunstsammlungen unterteilte man in Antiken, Plastiken und Kunstgewerbe, Malerei, Münzen und Medaillen sowie Grafik.

Dieser Aufteilung folgte die Auflösung der Kunstkammern an den unterschiedlichen habsburgischen Höfen. Zuerst wurden sie in Wien zentralisiert, die Gemälde aus Graz und Prag sowie Teile der Ambraser Sammlung ebenfalls nach Wien befördert. Anschließend wurden sie auf ein Naturalienkabinett, ein physikalisches Kabinett, ein Münz- und Antikenkabinett sowie die Gemäldegalerie aufgeteilt. Der Rest kam in die Schatzkammer, die seither aus einem weltlichen und einem geistlichen Teil besteht.

Wissenschaftliche Systematisierung und Klassifizierung entsprach dem Geist der Aufklärung. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf naturwissenschaftliche Objekte gelegt. Nun stand die Erforschung und Durchdringung der Natur im Vordergrund, nicht mehr das Anhäufen ihrer ,Wunder‘. Das Interesse an einem Studium der Natur entsprach der Gedankenwelt der Freimaurer. Maria Theresias Gatte Franz I. Stephan von Lothringen und seine Tochter Maria Anna standen solchen Ideen nahe. Franz Stephan bemühte sich sehr um die naturwissenschaftlichen Sammlungen, unter seiner Ägide entstanden Inventare zu ihrer wissenschaftlichen Erfassung. Maria Anna legte eine Mineraliensammlung und eine Insektensammlung an.

Auch Joseph II. und Leopold II. pflegten die Naturwissenschaften: Sie kauften Objekte an, sandten Expeditionen aus und tauschten exotische Pflanzen und Tiere ein. Im 19. Jahrhundert komplettierte Franz II./I. die Sammlungen entsprechend seinen ethnologischen Interessen – er ließ Objekte ankaufen und erwarb einiges durch Expeditionen. Alte Bestände wurden neu eingeordnet – wie die mexikanische Federarbeit aus der Sammlung Ferdinands von Tirol, die lange als „Federkrone“ Moctezumas galt, jedoch eher den Kopfschmuck eines Priesters darstellte.

Julia Teresa Friehs