Die Kunst- und Wunderkammer Rudolfs II.

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Rudolfs II. Kunstkammer galt als eine der vielfältigsten ihrer Zeit. 1648 wurde sie nach der Einnahme Prags durch die Schweden erbeutet, sodass nur mehr ein Teil davon in den Wiener Sammlungen vorhanden ist.

Die Beute aus der Prager Burg umfasste 470 Gemälde, 69 Bronzefiguren, mehrere tausend Münzen und Medaillen, 179 Elfenbeinarbeiten, 50 Gegenstände aus Bernstein und Korallen, 600 Gefäße aus Achat und Kristall, 174 Fayencen [eine bestimmte Form der Keramik], 403 indische Kuriosa, 185 Arbeiten aus Edelsteinen, ungeschliffene Diamanten, mehr als 300 mathematische Instrumente und vieles andere.

Einen Einblick in den Bestand und Umfang der rudolfinischen Sammlung mag diese Aufstellung der Beute der Schweden aus der Prager Burg geben.

Der Kaiser ist ein Liebhaber von Steinen, und zwar nicht einfach, weil er dadurch seine Würde und Erhabenheit zu mehren, sondern durch sie die Herrlichkeit Gottes ins Bewußtsein zu rücken hofft, die unaussprechliche Macht dessen, der die Schönheit der ganzen Welt in solch kleine Körper zusammendrängt und in ihnen die Anlagen aller anderen Dinge der Schöpfung vereint.

Der Naturwissenschaftler und Hofarzt Rudolfs II., Anselm Boethius de Boodt, schrieb in seinem Werk „Gemma et lapidum Historia“ von 1609 über Kaiser Rudolf II.

Angeregt durch die Kunstschätze Karls V. und Philipps II. von Spanien wurde Rudolf II. der wahrscheinlich bedeutendste Kunstsammler seiner Zeit. Allerdings entsprach seine Sammlung nicht einer Galerie im modernen Sinn, vielmehr vereinte sie neben den Kunstwerken auch exotische Tiere, Mineralien, geschnittene Steine und vieles mehr. Auch sie sollte ein Abbild des Universums darstellen.

Die riesige Sammlung Rudolfs II. hatte entsprechenden Platzbedarf und machte Umbauarbeiten an der Prager Burg notwendig. Der Kaiser war ein Sammler sondergleichen: Kunstwerke, die seine Agenten, welche beständig auf der Suche nach Objekten durch Europa streiften, nicht erwerben konnten, ließ er kopieren. Werkstätten an seinem Hof stellten Kunstobjekte her. Insbesondere begeisterte er sich für die Steinschneidekunst. Dieses Interesse passte in Rudolfs II. pansophisches Weltbild, das alles, auch die physische Erscheinungswelt der Natur, als Teil eines universalen Systems begriff.

Ein Glanzstück der Sammlung und der am Hof geförderten Goldschmiedekunst bildete die kaiserliche Hauskrone. Auch sämtliche Erscheinungen der Natur hatten es Rudolf angetan – er beschäftigte eigene Hofmaler, die Naturabbildungen und Tierdarstellungen produzierten. Im Inventar von 1607 bis 1611 listete Daniel Fröschl (1563–1613), Hofmaler und Verwalter der kaiserlichen Sammlungen, an Naturalien Chamäleons, Krokodile, Fische, einen Paradiesvogel und viel anderes Getier auf. Wenn kein Präparat aufzufinden war, ließ Rudolf II. das entsprechende Tier malen. In seinen Sammlungen fanden sich sogar Abbildungen von Einhörnern, Drachen und Alraune. Anhand der Alraune und der kunstvoll gefassten Bezoarsteine zeigt sich die Mischung aus wissenschaftlichem Interesse und magischen Vorstellungen, die charakteristisch für Rudolfs II. Sammlertätigkeit war.

Mechanische Kunstwerke und Automaten mit beweglichen Elementen faszinierten die Habsburger besonders, Rudolf II. beschäftigte dafür etwa den berühmten Uhrmacher Jost Bürgi an seinem Hof.

Julia Teresa Friehs