Johann Orth: Habsburger außer Dienst

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Das Seeschloss Orth in Oberösterreich ist als Schauplatz der TV-Serie Schlosshotel Orth heute im deutschsprachigen Raum bekannt. Doch was die DrehbuchautorInnen sich auch auszudenken vermögen, kann kaum so spektakulär sein wie folgende Episode aus der Habsburger Familienchronik.

Erzherzog Johann Salvator aus der toskanischen Linie der Habsburger wurde 1852 in Florenz geboren und galt seit jeher als schwarzes Schaf der Familie. Er schlug zunächst eine militärische Laufbahn ein, entschied sich aber im Alter von 35 Jahren, aus dem Heeresdienst auszuscheiden. Seine kritischen Schriften über das Bildungssystem und das Militär, das Drängen auf Reformen und sein liberales Gedankengut stießen speziell bei Franz Joseph auf Missfallen.

Das Seeschloss Orth schenkte Großherzog Leopold II. seinem jüngsten Sohn Johann als Wohnsitz. Das im 10. Jahrhundert errichtete Schloss liegt auf einer Felseninsel im Traunsee und weist mit zweiseitigen Bogengängen über zwei Geschosse und einem dreieckigen Hof eine interessante Architektur auf. Eine Holzbrücke führt vom Schloss zum Festland. Johann ließ das Schloss nach seinen Wünschen umgestalten und legte besonderen Wert darauf, den Originalzustand wiederherzustellen. Doch er lebte nicht lange dort.

Kurz nach dem Selbstmord seines Cousins und engen Vertrauten Kronprinz Rudolf, der mit seinen liberalen Idee im Kaiserhaus ebenso wie er scheiterte, wählte Johann einen anderen Weg, dem Adel den Rücken zu kehren: Er bat um Entlassung aus dem Kaiserhaus, legte all seine Adelstitel ab und nannte sich fortan nach seinem Schloss – Johann Orth. So konnte Johann 1889 in London auch Ludmilla („Milli“) Stubel heiraten, eine Tänzerin der Wiener Hofoper, in die er sich unstandesgemäß verliebt hatte. Im Jahr darauf zog es den jungen Mann zur See. In Hamburg erwarb Johann Orth das Kapitänspatent, kaufte sich den großen Frachtdampfer „St. Margret“ und brach mit seiner Frau zu einer spektakulären Reise nach Südamerika auf.

„Möge ihm das Leben bittere Enttäuschungen ersparen“, heißt es in einer Festschrift des Hauses Habsburg-Lothringen aus dem Jahr 1891. Zu diesem Zeitpunkt war Johann Orth vermutlich schon tot. Sein Dampfer dürfte 1890 in einem Sturm vor Kap Hoorn gesunken sein. Johann Orth vormals Johann Salvator von Österreich-Toskana, seit 12. Juli 1890 vermisst bei Kap Tres Puntas, wurde schließlich 1911 für tot erklärt und sein Besitz 1912/13 in Berlin versteigert. Gerüchte besagen, Johann Orth hätte als Alexander Hugo Köhler noch bis 1945 in Norwegen gelebt. Angebliche Nachfahren des Habsburgers stellten bisher vergeblich Erbansprüche auf das Schloss Orth.

Sonja Schmöckel