1415–1493

Friedrich III. (V.): Tod und Nachleben

Druckversion

Friedrich V. war einer der am längsten regierenden Habsburger der Geschichte: Er herrschte 58 Jahre in Innerösterreich und 53 Jahre als Oberhaupt des Heiligen Römischen Reiches.

In beiden Fällen war seine Herrschaft jedoch nicht unumstritten. Dennoch konnte er sich auf lange Sicht behaupten – oft allein wegen seiner physischen Zähigkeit, die ihn die meisten seiner Gegner überleben ließ.

Das Leben Friedrichs war von einem eigenartigen Gegensatz zwischen Anspruch und Realität geprägt. Realpolitisch stark eingeschränkt durch familieninterne Konflikte und übermächtige Gegner wie Matthias Corvinus, legte er dennoch die Grundlagen für den späteren Aufstieg Habsburgs zur Großmacht.

Friedrich verdankt die Dynastie die Wiedererlangung des Führungsanspruches im Reich nach dem drohenden Abstieg zu einer bloßen regionalen Macht aufgrund der Dominanz der Luxemburger. Beginnend mit Friedrich sollten seine Nachkommen (mit einer kurzen Unterbrechung 1740–1745) bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches die Reichskrone tragen. Friedrich kommt hier eine besondere Stellung zu, denn er war der erste Träger des Kaisertitels der Dynastie und blieb der einzige Habsburger, der in mittelalterlicher Tradition das Wagnis eines Romzuges zur Kaiserkrönung durch den Papst unternahm.

Friedrichs Wirken war durch seinen extrem pragmatischen, trockenen Charakter geprägt. Er war kein strahlender König, kein tapferer Krieger – bekannt ist er unter der ironischen Bezeichnung „des Reiches Erzschlafmütze“. Dennoch war er vom imperialen Gedanken des Kaisertums durchdrungen und überzeugt von der Auserwähltheit seiner Dynastie. Er entwickelte ein übersteigertes monarchisches Bewusstsein trotzdem – oder gerade weil – ihm seine zahlreichen Gegner oft die Grenzen seiner Macht aufgezeigt hatten.

Obwohl ein konservativer Mensch, der zeitlebens in der mittelalterlichen Gedankenwelt verhaftet blieb, knüpfte er Kontakte zu Humanisten. Sein Sekretär war der bedeutende Historiker und Poet Enea Silvio Piccolomini (der spätere Papst Pius II.), der in seinen Jahren in Wien und Graz 1443­–1455 den habsburgischen Hof in Berührung mit dem Humanismus und der italienischen Renaissance brachte.

Friedrich entsprach in seiner physischen Erscheinung dem klassischen Habsburger-Typus: Er verfügte über ein längliches Gesicht, eine prominente Nase und einen hageren Körperbau. Er interessierte sich für Astronomie, Astrologie und okkulte Geheimwissenschaften. Der Kaiser sammelte Edelsteine im großen Stil, nicht nur als Wertanlage, sondern auch weil er von deren magischer Wirkung überzeugt war. Über die Deutung seines persönlichen Zeichens „AEIOU“ ist sich die historische Forschung bis heute nicht einig.

Friedrich starb 1493 in Linz. Er litt an Altersbrand – darunter versteht man eine Gewebsnekrose, bei der wegen Unterversorgung durch Blut und Sauerstoff Teile des Gewebes absterben. Bei Friedrich war ein Bein befallen, das, um eine weitere Vergiftung des Körpers zu verhindern, amputiert werden musste. Der mittlerweile 78-jährige Kaiser überlebte zwar die Operation, die bei vollem Bewusstsein erfolgt war, starb aber zwei Monate später, wahrscheinlich an einer Mageninfektion. Zeitgenössischen Quellen zufolge verstarb der Habsburger, der zeitlebens eine Vorliebe für frisches Obst hatte, an den Folgen übermäßigen Genusses von Melonen.

Bestattet wurde der Kaiser im Wiener Stephansdom, der dank Friedrichs Initiative – auch hier in Nachfolge seines verehrten Vorfahren Rudolf IV.  – seine letzte Bauphase erlebte. Das monumentale Grabmal Friedrichs gilt als ein Hauptwerk der Spätgotik, die Fertigstellung erfolgte aber erst 1513. Das Herz und die Eingeweide wurden in der Linzer Stadtpfarrkirche beigesetzt.

Martin Mutschlechner