1768–1835

Franz II./I.: Persönlichkeit und Vorlieben

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Kaiser Franz II./I. war mit 43 Jahren Regentschaftszeit ein Langzeit-Herrscher und hat dementsprechend tiefe Spuren hinterlassen. Im 19. Jahrhundert sehr populär, wird Franz heute aufgrund seiner Politik eher kritisch gesehen.

Der „gute Kaiser Franz“ galt in der patriotischen Geschichtsschreibung der Monarchie als eine der Gründungsfiguren des Habsburg-Mythos. Zahlreiche Denkmäler – das bekannteste steht im Inneren Burghof der Hofburg – feiern ihn als Bewahrer der Habsburgermonarchie über die Wirren der Napoleonischen Kriege hinweg.

Franz verabscheute die Vorstellung einer Volkssouveränität, wie es die Ideale der Französischen Revolution forderten. Stattdessen propagierte er den Gegenentwurf des der Dynastie loyal ergebenen Untertanen. Der Kaiser trat als Vater seiner Völker auf, denn nicht das Staatswesen an sich, sondern die Dynastie sollte als verbindendes Band dienen.

Sein Motto „Iustitia Regnorum Fundamentum“ (Gerechtigkeit ist das Fundament der Reiche) ziert das Neue Burgtor, das im Rahmen der Neugestaltung des Vorbereiches der Hofburg (Heldenplatz, Volksgarten und Burggarten) errichtet wurde. Dieses Ruhmesdenkmal der Monarchie wurde im Andenken an die Völkerschlacht von Leipzig gebaut, wodurch die die Macht Napoleons gebrochen worden war. Dieser hatte ja nach seinem Abzug aus Wien, das er 1809 über Wochen besetzt hielt, die Befestigungsanlagen vor der kaiserlichen Burg sprengen lassen. Diese Erniedrigung sollte durch die Anlage des Siegesdenkmals der kaiserlichen Truppen über Napoleon vergessen gemacht werden.

Einen geradezu extravaganten Zug an dem sich sonst als bescheidener Bürgerkaiser gebenden Habsburger erkennt man in Franzens Lieblingsprojekt, der Franzensburg im Schlosspark von Laxenburg. Franz betrieb dort mit großem Aufwand eine Ausgestaltung des Parkes zu einem habsburgischen „Historyland“.

Ein weiterer Lieblingsort des Kaisers war die Kurstadt Baden südlich von Wien, wo er bei seinen häufigen Aufenthalten das „Kaiserhaus“ am Stadtplatz bewohnte. Überhaupt gilt der vom Kaiser hoch geschätzte Wienerwald als Inbegriff der Naturliebe des Biedermeiers.

Kaiser Franz wird in der patriotischen Geschichtsschreibung gerne als biederer Familienmensch verklärt. Zahlreiche Anekdoten lassen das Bild eines schrulligen Charakters mit trockenem Humor entstehen, in dem Franz geradezu als Prototyp des liebenswürdigen Wiener “Grantlers“ erscheint. Weniger wohlwollende Biografen stellen Franz als berechnend, emotionslos und kalt dar.

Er bevorzugte ein Leben in Zurückgezogenheit. Seine Ablehnung von Prunk und Zeremoniell entsprach nicht nur dem Zeitgeist – die Zeit der Romantik war auf der Suche nach Natürlichkeit und Einfachkeit –, sondern lag auch in seiner nüchternen Persönlichkeit begründet. 

Martin Mutschlechner