1503–1564

Ferdinand I.: Ehe und Nachkommen

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Ferdinands Ehe mit Anna (1503–1547), der Erbtochter der Dynastie der Jagiellonen, der er den Erwerb der böhmischen und ungarischen Krone verdankte, hatte ein langes diplomatisches Vorspiel.

Bereits 1504 begannen Ferdinands Großvater Maximilian I. und Annas Vater Wladislaus V. Verhandlungen über einen gegenseitigen Erbschaftsvertrag im Falle des Aussterbens einer der Dynastien. Der Abschluss des Vertrages wurde durch die Wiener Doppelhochzeit von 1515 bekräftigt. Wladislaus’ Sohn, der neunjährige Ludwig wurde mit Maximilians um ein Jahr älteren Enkelin Maria vermählt. Betreffend Wladislaus’ Tochter Anna entstand die paradoxe Situation, dass Maximilian keinen Bräutigam vorweisen konnte, da er keine Verfügungsgewalt über seine Enkelsöhne Karl und Ferdinand hatte. Maximilian trat also mit Anna vor den Altar als Stellvertreter für einen der beiden Enkel. Als Kompromiss wurde folgende Abmachung geschlossen: Falls binnen eines Jahres mit keinem der beiden habsburgischen Prinzen ein bindendes Eheversprechen geschlossen werden könnte, würde er selbst, nunmehr zweifacher Witwer und 56 Jahre alt, die zwölfjährige Jagiellonenprinzessin zur Frau nehmen.

Dazu kam es nicht, denn 1516 wurde der 13-jährige Ferdinand als Gatte Annas verlautbart. Zum ersten Treffen der Brautleute kam es erst fünf Jahre später, als die Hochzeit gefeiert wurde. Zuvor musste Ferdinand erst die Regentschaft über die österreichischen Erbländer von seinem Bruder Karl zugesichert bekommen, denn die Stände Ungarns hätten einen nicht regierenden Prinzen als Gatten Annas nicht akzeptiert.

Mit dem Tod von Annas Bruders Ludwig in der Schlacht von Mohács 1526 zeigten sich die Vorteile dieser Ehe für die Habsburger, denn Anna war nun die alleinige Erbtochter der Kronen von Böhmen und Ungarn.

Die Ehe zwischen Anna und Ferdinand gestaltete sich harmonisch. Der Verbindung entsprangen 15 Kinder, von denen nur zwei im Kindesalter starben. Anna selbst verstarb aufgrund von Komplikationen bei der Geburt des letzten Kindes Johanna im Jahre 1547. Der Witwer Ferdinand verweigerte eine neuerliche Vermählung.

Anna wurde zur Stammmutter der österreichischen Linien der Habsburger, die von den drei Söhnen begründet wurden: dem späteren Kaiser Maximilian II., Ferdinand von Tirol und Karl von Innerösterreich.

Die Versorgung bzw. Vermählung der zehn Töchter gestaltete sich schwierig, da durch die Glaubensspaltung der Heiratskreis von standesgemäßen Dynastien stark ausgedünnt worden war.

Die älteste Tochter Elisabeth (1526–1545) litt an Epilepsie, wobei die Anfälle so massiv waren, dass sich ihr Gatte, der polnische König Sigismund August, davon so abschrecken ließ, dass er seine Gemahlin verstieß. Da Elisabeth jung verstarb, war der Weg frei für einen neuerlichen  Versuch einer Verbindung mit dem polnischen Herrscher, auf dessen Territorium sich das Haus Habsburg einen Einfluss sichern wollte. Elisabeths jüngere Schwester Katharina (1533–1572) war nach einer kurzen Ehe mit Herzog Francesco III. von Mantua soeben zu einer jungen Witwe geworden. 1553 wurde die Hochzeit mit dem Schwager gefeiert. Auch diese Verbindung war unglücklich, die Ehe blieb kinderlos. Der polnische König versuchte vergeblich, eine Annulierung der Ehe durchzusetzen. Das Paar lebte seit 1562 schließlich getrennt. Katharina ging zurück nach Österreich und verbrachte den Rest ihres Lebens in Linz.

Anna (1528–1590) wurde mit Herzog Albrecht V. von Bayern vermählt. Sie führte in München den Hof einer wahren Renaissancefürstin. Mit dieser Verbindung begann – trotz der offenen Rivalität der Dynastien im Reich – eine Reihe systematischer Eheschließungen zwischen den Familienclans der Habsburger und Wittelsbacher, die bis in die Gegenwart reichen sollte. Aufgrund der zahlreichen Verwandtenehen entstand ein Verband von zwei Familien, die genetisch de facto ident sind.

Die Vermählung Marias (1531–1581) 1546 mit Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg sollte den Einfluss Habsburgs im Norden des Reiches stärken.

Eleonore (1534–1594) wäre ursprünglich auch für eine Verbindung mit einem deutschen Reichsfürsten vorgesehen gewesen. Die Pläne, die Habsburgertochter mit dem sächsischen Kurprinzen Johann Friedrich I. zu vermählen, scheiterten an konfessionellen Kontroversen. Eleonore wurde schließlich mit dem italienischen Fürsten Guglielmo von Mantua vermählt.

Ebenfalls nach Italien verheiratet wurden Barbara (1539–1572), die Herzog Alfons II. von Ferrara ehelichte, sowie Johanna (1547–1578), die dem Großherzog von Toskana, Francesco Maria de Medici zugesprochen wurde.

Den geistlichen Weg schlugen schließlich die im Haus verbliebenen Töchter Magdalena (1532–1590), Helene (1543–1574) und Margarete (1536–1566) ein. Nach dem Tod ihres Vaters von dessen Heiratspolitik nicht mehr berührt, beschlossen die Schwestern unter der Führung Magdalenas, die aufgrund ihrer tiefen Frömmigkeit im Ruf der Heiligkeit verstarb, 1564 die Gründung einer religiösen Institution, die in Gestalt des Damenstiftes von Hall in Tirol 1567 Realität wurde. Dieser Stifung, wo in klosterähnlicher Zurückgezogenheit lebende Töchter aus adeligem Haus standesgemäß versorgt wurden, widmeten Magdalena und Helene – Margarete war vor der Fertigstellung der Stiftsbauten verstorben – den Rest ihres Lebens.

Martin Mutschlechner