Wie der Vater so der Sohn…

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Häusliche und handwerkliche Fertigkeiten erwarben Kinder aus unmittelbarer Nähe, die Eltern fungierten meist als ihre Lehrer.

Die Erziehung der Kinder erfolgte im „ganzen Haus“. Nach und nach wurde ihnen die Arbeitswelt der Erwachsenen nähergebracht, in die sie sich bald integrieren mussten. Schulische Ausbildung spielte auf dem Land kaum eine Rolle, Handwerkerkinder genossen in den Städten meist Elementarunterricht. Auch adelige Kinder wurden schon früh für ihre späteren Pflichten erzogen, der Umgang mit Kindern niederen Standes war ihnen untersagt. Außerdem unterlagen adelige Kinder unmittelbarer der Kontrolle des Hausvaters, ohne dessen Zustimmung nichts geschah.Unabhängig vom Alter unterstanden Kinder bis zur Heirat dem Haushalt und der Autorität des Hausherrn. Als Kinder galten sowohl die leiblichen Nachkommen des Familienoberhauptes als auch die weiteren im Haushalt lebenden Kinder. Sie alle wurden in den Arbeitsprozess integriert. Besonders Kinder aus ärmeren Familien wurden auf dem Lande auf umliegende Höfe geschickt und arbeiteten dort als Mägde oder Knechte. In Handwerksbetrieben zogen die Jungen als Gesellen auf Wanderschaft, während sich Mädchen als Dienstmägde in anderen Haushalten verdingten. Bei der Verehelichung erhielten die Kinder eine Mitgift oder einen Erbanteil. Bauernsöhne übernahmen den elterlichen Hof, Handwerksöhne den väterlichen Betrieb und adelige Kinder wurden auf den adeligen Alltag vorbereitet. Mädchen wurden in der Haushaltsführung unterwiesen. Im Allgemeinen wurden Kinder in der Frühen Neuzeit wie Erwachsene behandelt, erst mit der Durchsetzung des pädagogischen Denkens und des Schulsystems wurde auch die Kindheit bzw. die Jugend als eigener Lebensabschnitt entdeckt. Obgleich es in Städten Gesellenverbände und in Dörfern Burschenschaften gab, in denen sie ihre arbeitsfreie Zeit verbrachten, sollten sich Jugendliche auch im außerhäuslichen Bereich ganz nach Vorbild der Erwachsenen verhalten. In volkstümlichen Vorstellungen und in der zeitgenössischen Malerei sah man den Lebenslauf in Form einer Lebenstreppe, in der der junge Erwachsene als eigene Erscheinung wahrgenommen wurde. Erst seit der Französischen Revolution und der ‚Jugendbewegung‘ des „Sturm und Dranges“ stellte die Jugend eine rebellische und aufbegehrende Lebensphase dar.

Anita Winkler