1832–1867

Maximilian von Mexiko: Die Frau an seiner Seite

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Im Jahre 1857 wurde Erzherzog Ferdinand Maximilian mit Charlotte von Belgien vermählt. Die Verbindung galt als glänzende Partie, denn die Braut war umfassend gebildet, überaus hübsch und vor allem unermesslich reich.

Charlotte von Belgien (1840–1927) war eine Tochter von König Leopold I. von Belgien und dessen Gemahlin Louise Marie von Orléans. Das belgische Königshaus gehörte zu den reichsten Familien Europas. Das ursprünglich deutsche Fürstenhaus Sachsen-Coburg-Gotha hatte die Krone des neubegründeten Königreiches Belgien erst 1830 erhalten und war durch industrielle und koloniale Unternehmungen rasch zu einem enormen Vermögen gekommen. Unter den alten Dynastien Europas haftete der Familie Charlottes der Odeur von neureichen Aufsteigern an. Franz Joseph nannte seine angeheiratete belgische Verwandtschaft einmal verächtlich „Krämer“.

Die Gemahlin des Kaiserbruders fiel am Wiener Hof durch ihren Ehrgeiz auf und hatte Schwierigkeiten, sich mit ihrer Position in der zweiten Reihe abzufinden. Selbst von sehr einnehmenden Äußeren, stand sie in Konkurrenz mit ihrer Schwägerin Kaiserin Elisabeth.

Charlotte war auch an vorderster Front und sehr energisch an der Verfolgung der Pläne beteiligt, die Krone Mexikos zu erwerben. Selbst angesichts der katastrophalen Situation vor Ort verlor sie ihre Zuversicht nicht und bestärkte ihren zögernden Gatten, seine Ansprüche als Kaiser durchzusetzen.

Als Maximilians Stellung in Mexiko zunehmend bedroht war, versuchte sie vergeblich bei den Mächten Europas Unterstützung zu erhalten. Während einer Audienz beim Papst erlitt sie einen Nervenzusammenbruch. In der Folge verschlechterte sich ihr psychischer Zustand rapide. Sie verfiel zunehmend dem Wahnsinn und lebte in einer Traumwelt, in der ihr inzwischen verstorbener Gatte weiterhin als Herrscher der Welt regierte.

Sie überlebte ihren Gatten um 60 Jahre und lebte zurückgezogen unter der Obhut ihres Bruders in Belgien, wo sie schließlich 1927 hochbetagt starb. Die Ehe mit Maximilian blieb kinderlos.

Martin Mutschlechner