1500–1648

Kriege kommen teuer zu stehen – Die 'Türkenabwehr' belastet die habsburgischen Finanzen

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Die finanzielle Situation der habsburgischen Länder gestaltete sich im 16. und 17. Jahrhundert katastrophal. Den größten Ausgabeposten machten die zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen aus.

Die steigende Beamtenzahl belastete das Budget genauso wie der kontinuierlich wachsende Hofstaat der Herrscher und ihrer Familienmitglieder. Die habsburgischen Kaiser des 16. Jahrhunderts versammelten jeweils 600 bis 800 Personen um sich, die allesamt bezahlt werden mussten.

Die zivilen Ausgaben für Hofstaat und Beamte machten jedoch nur rund ein Drittel der gesamten Ausgaben aus und waren im Vergleich zu den riesigen Summen, die für die Kriegsführung aufgewendet wurden, noch bescheiden. Vor allem die ‚Türkenabwehr‘ in den ungarischen und kroatisch-slawonischen Gebieten ließ die Kosten steigen. Allein die jährliche Besoldung der Soldaten verschlang riesige Summen. In den 1570er und 1580er Jahren waren rund 22.000 Soldaten zur Verteidigung an den Grenzen abgestellt. Das machte in etwa ein Prozent der Bevölkerung des Königreichs Ungarn aus. Beim Sold konnte nicht gespart werden: Wurde dieser nicht bezahlt, probten die Soldaten nicht selten den Aufstand oder überließen den feindlichen Truppen eine Festung.

Teuer zu stehen kamen außerdem die Aufwendungen für den Ausbau und die Renovierung der Festungsanlagen, für Kriegsmaterial wie zum Beispiel Feuerwaffen, die sich rasch verbreiteten, und nicht zuletzt für die Kriegsadministration. Die genauen Kosten können nur geschätzt werden, da die Bevölkerung in grenznahen Gebieten Teile des Proviants für das Militär liefern musste. Die Kriegskosten waren so hoch, dass das Königreich Ungarn die finanziellen Mittel allein nicht aufbringen konnte und die ‚Türkenabwehr‘ vor allem auch aus Mitteln der österreichischen und böhmischen Länder sowie aus Reichszahlungen finanziert wurde. In den Erzherzogtümern ober und unter der Enns wurde die Steuerbelastung für die dort lebenden Menschen so hoch, dass es unter anderem deshalb zu Bauernaufständen kam, die blutig niedergeschlagen wurden.

Christina Linsboth