1608–1657

Ferdinand III., Eleonora von Gonzaga und die Italiener in Wien

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Eleonora von Gonzaga, die dritte Gemahlin von Kaiser Ferdinand III., prägte das kulturelle Leben Wiens: Der Kaiserhof erhielt dank ihr eine stark italienische Note. Die norditalienische Spielart des Frühbarocks dominierte Malerei, Architektur, Musik und Literatur.

Eleonora fand in Ferdinand trotz des großen Altersunterschiedes einen kongenialen Partner, der wie sie empfänglich war für die Künste. Ferdinand war selbst begeisterter Musiker und versuchte sich auch als Komponist, wobei er eine hohe Begabung an den Tag legte. Er gab nicht nur sein Talent an seine Nachkommen weiter, sondern auch den starken italienischen Einfluss in der Musikkultur des Habsburgerhofes. Wien wurde in der Folge zu einem bestimmenden Zentrum der Musikpflege in Europa.

Gemeinsam mit ihrem Gatten gründete Eleonora eine literarische Akademie nach italienischem Vorbild. Eleonora versuchte sich selbst als Dichterin und verfasste Gedichte meist religiösen Inhalts. Ihrem Beispiel folgend verfasste auch Ferdinand Gedichte in italienischer Sprache, die er perfekt beherrschte.

Auch nach dem Tod des Gatten blieb Eleonora als Witwe weiterhin der Mittelpunkt des Kulturlebens am Wiener Hof. Ihr Witwensitz war Schloss Schönbrunn, das sie in italienischer Manier zu einem Lustschloss mit einer bedeutenden frühbarocken Gartenanlage ausbauen ließ.

Eleonora war eine geradezu archetypische Verkörperung des Barock – sie liebte die Gegensätze: in ihr vereinte sich extreme Religiosität mit Prachtliebe, sie gab sich in mystischer Verzückung Bußübungen hin und förderte mit gleicher Leidenschaft höfische Vergnügungen. Die Kaiserin gründete eine religiöse Vereinigung adeliger Damen, der sie den Namen „Sklavinnen der Tugend“ gab. Auf sie geht auch der Sternkreuzorden zurück: Nach einem Brand in der Hofburg 1668 wurde im Schutt eine bedeutende Reliquie, ein Partikel des Kreuzes Christi unversehrt aufgefunden. Im Andenken an dieses „Wunder“ gründete sie den Sternkreuzorden, der die höchste Auszeichnung für Damen des Wiener Hofes werden sollte.

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde der Wiener Hof nicht zuletzt dank Eleonora zu einem wichtigen Zentrum italienisch geprägter Kulturmuster, das in die gesamte Monarchie ausstrahlte. Italienische – oder um einen zeitgenössischen Ausdruck zu verwenden – „wälsche“ Maler, Architekten und Kunsthandwerker dominierten den Kunstmarkt Mitteleuropas. Eine ausgeprägte Italianitá war in Künstlerkreisen in Mode,  auch für Nichtitaliener, und so wurde eine Ausbildung in Italien geradezu zur Voraussetzung, um als Künstler reüssieren zu können. 

Martin Mutschlechner