Die Idee der Toleranz

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Joseph II. gab in seinen Toleranzpatenten wichtige Anstöße für Religionsfreiheit.

Mit der Aufklärung setzte sich auch die Idee der religiösen Toleranz durch, doch dauerte es, bis sie in die Praxis umgesetzt wurde. Maria Theresia hielt die Toleranz gegenüber anderen Konfessionen noch für „höchst gefährlich“ und ließ Geheimprotestanten verfolgen. Seit der Gegenreformation waren Protestanten vielfach in Gebiete außerhalb der Habsburgermonarchie geflüchtet. In einigen Alpentälern der Steiermark, Kärntens und Oberösterreichs sowie im Osten von Böhmen und Mähren hatte sich der Protestantismus im Geheimen erhalten. Seine AnhängerInnen konnten sich nicht öffentlich zu ihrer Lehre bekennen. Maria Theresia erkannte allerdings, dass sie auch auf die Fachkenntnisse und das Kapital der protestantischen Unternehmer angewiesen war. Seither wurden diese geduldet, ihre Konfession aber nicht toleriert. Vielfach ließ die Herrscherin die Protestanten auch nach Ungarn oder andere Gebiete der Monarchie abschieben, sodass ihre Wirtschaftskraft für das Habsburgerreich erhalten blieb.

Besonders intolerant verhielt sich die Monarchin gegenüber Juden. Heiratsbeschränkungen erlaubten es nur den ältesten Söhnen jüdischer Familien, sich zu vermählen. Begegneten Juden auf der Straße einem Priester, der eine Hostie (das Allerheiligste) mit sich trug, mussten sie die Straße verlassen. Zudem bestand Ausgehverbot für Juden an katholischen Feiertagen. Diskriminierende Kleidervorschriften verpflichteten die Männer, Bärte zu tragen. Letztlich wurden die jüdische Bevölkerung und vor allem die Hofjuden auch deshalb geduldet, weil sie für die Monarchie das so dringend benötigte Finanzkapital zur Verfügung stellten.

Erst Joseph II. ging die Durchsetzung der Toleranz konsequent an. Für Dienste im Staat gestand Joseph II. den Protestanten, Juden und Griechisch-Orthodoxen Rechte zu. Zwischen 1781 und 1789 erließ er Toleranzpatente für Böhmen, Triest, Schlesien, Wien, Niederösterreich, Mähren, Ungarn, Siebenbürgen, Galizien und die Bukowina. Damit wurden Kleidervorschriften beseitigt und Tätigkeiten in Handel, Industrie und Gewerbe erlaubt. Auch zum Universitätsstudium wurden die Tolerierten nun zugelassen. Nicht alle Betroffenen vertrauten den Intentionen des Herrschers: Die oberösterreichischen Protestanten beispielsweise bekannten sich nur zaghaft zu ihrer Religion, da sie weiterhin Abschiebungen befürchteten. In Tirol wurde sogar die Toleranz bestritten, weswegen im Zillertal (Tirol) Protestanten bis Mitte des 19. Jahrhunderts ausgewiesen wurden.

Anita Winkler