Unbekanntes Flugobjekt von Prag kommend – Ballonfahrten als Spektakel

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Joseph II. hielt wenig von der Mode der Ballonfahrerei, die das Publikum Ende des 18. Jahrhunderts so begeisterte. Die erste bemannte Ballonfahrt in der Monarchie fand erst nach seinem Tod statt.

Ich habe Ihren Brief erhalten, Mr. Blanchard. Sie haben die Kuriosität Ihrer Zuschauer durch viele und an den verschiedenen Orten gemachten Versuche hinlänglich befriedigt, so daß deshalb wegen Ihrer Reüssierung kein Zweifel übrig bleibt. Sobald Sie durch Ihre Kenntnisse und wiederholten Versuche das Mittel gefunden haben werden, die Aerostation einigermaßen nützlich zu machen, soll es mir angenehm seyn, wenn Sie nach Wien kommen wollen, um mich davon zu unterrichten und überzeugen.

Antwort Josephs II. am 2. Mai 1786 auf eine briefliche Bitte

(…) will ich es daher wagen, ein hochverehrenswürdiges Publikum bey herannahmendem Frühjahr zur Vorstellung eines Luftschiffes einzuladen, daß viel größer ist, als jenes, welches Herr Montgolfier unterm 21. November vorigen Jahres zu Paris gezeigt hat.

Ankündigung in der Wiener Zeitung, 20. März 1784

Jean Pierre Blanchard, ein französischer Ballonfahrer, hatte mit seinen Auftritten, das Publikum in vielen Städten Europas begeistert. Wien stand ebenfalls auf seiner Liste, doch Joseph II. wollte von einem solchen Spektakel nichts wissen. Nachdem der Kaiser einen solchen Auftritt abgelehnt hatte, herrschte in Wien vorerst wenig Interesse. An unbemannten Ballonfahrten versuchten sich mit geringem Erfolg lediglich der k. k. Lustfeuerwerker Johann Georg Stuwer und der Buchdrucker Aloys von Widmanstätten. Stuwers Fahrten wurden in der Wiener Zeitung zwar groß angekündigt, ‚versandeten‘ dann aber.

In Paris und anderen europäischen Städten brach hingegen nach den ersten Versuchen von Joseph und Etienne Montgolfier 1783 eine regelrechte Luftfahrteuphorie aus, die sich in allen möglichen Lebensbereichen widerspiegelte. Uhren, Porzellan, Tapeten und Fächer wurden mit Motiven einer schwebenden Kugel verziert. Bald wurden dort auch bemannte Fahrten durchgeführt.

Im Dezember 1790 war es auch in Wien soweit: Jean Blanchards Ballon näherte sich der Stadt von Prag aus und konnte nach der Landung gegen 10 Kreuzer besichtigt werden. Auf das Schauspiel eines bemannten Ballonaufstiegs mussten die WienerInnen allerdings noch warten. Johann Stuwer wollte nämlich dem Luftfahrer ‚seinen‘ Feuerwerksplatz im Prater nicht zur Verfügung stellen. Nach diesen Streitigkeiten und einigen Fehlversuchen konnte Blanchard 1791 auch das Wiener Publikum begeistern.

Christina Linsboth