Liberté, égalité, fraternité – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit

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"Liberté, égalité, fraternité" – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit: Diese Worte gelten heute als bekanntester Leitspruch der Französischen Revolution.

Die Menschen werden frei und gleich an Rechten geboren und bleiben es. Soziale Unterschiede dürfen nur im allgemeinen Nutzen begründet sein.

Artikel 1 der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte ("Déclaration des Droits de l'Homme et du Citoyen") vom 26. August 1789

So lange der Oesterreicher noch braun’s Bier und Würstel hat, revoltirt er nicht.

Spöttelnde Aussage des Wahlwieners Ludwig van Beethoven

Aus heutiger Sicht erscheint die Französische Revolution einfacher und einheitlicher, als sie sich für die ZeitgenossInnen abspielte: Es standen sich nicht einfach Erneuerer und Konservative gegenüber, sondern die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche am Ende des 18. Jahrhunderts in Europa verliefen oft widersprüchlich, ungleichzeitig und auch unbeabsichtigt. Das Bürgertum als „dritter Stand“ gilt als Träger dieser Neuerungen, aber auch manche Adelige waren den Veränderungen der Zeit gegenüber offen.

Die blutige Revolution in Frankreich verlief entlang zahlreicher unterschiedlicher Konfliktlinien: Adel und Bürgertum waren unzufrieden mit dem „Ancien régime“, dem Absolutismus eines schwachen Königs. Die Unterschichten führten einen täglichen Kampf ums Überleben, die Bauernschaft sah sich steigenden Pachtzinsen und Schikanen der Grundherren ausgeliefert. Schon vor 1789 war es deshalb immer wieder zu Unruhen gekommen.

König Ludwig XVI. war nicht fähig, zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln. Er berief daher erstmals seit 1614 die Generalstände ein. Im Juni 1789 wurde der dritte Stand initiativ: Er erklärte sich zur Nationalversammlung, das heißt zur allein berechtigten Vertretung der Gesamtnation. Hier wurde der berühmte Ballhausschwur geleistet, nicht vor Ausarbeitung einer Verfassung auseinander zu gehen. Ludwig XVI. und seine Gattin Marie Antoinette reagierten ohne Kompromissbereitschaft. Im Juli kam es zum berühmtesten Ereignis der Revolution: dem Sturm auf die Bastille, das Pariser Gefängnis. Im August folgten die Erklärung der Menschenrechte und die Durchsetzung der Gewaltenteilung. Die Anfangszeit der Revolution war also geprägt von hohen Ansprüchen, deren Umsetzung sich jedoch als schwierig bis unmöglich herausstellte: Die konstitutionelle Monarchie hielt nicht lange, 1792 wurde die Republik ausgerufen. Das Königspaar wurde wegen Konspiration hingerichtet. 1793 kam es zum Aufstand der Pariser Unterschichten, woraufhin die Jakobiner ihre Herrschaft errichteten: Es folgte Terror gegen Gegner und alte Verbündete, zirka 40.000 Menschen starben unter der Guillotine.

Durch die „Levée en masse“ (allgemeine Wehrpflicht) wurde eine neue Armee geschaffen. Ein nationales Hochgefühl ersetzte zunehmend die tiefen innerfranzösischen Konflikte. Die Gewalt der Revolution richtete sich nach außen, und zwar unter einem Mann von kleiner Statur, dafür umso größerer Wirkung: Napoleon Bonaparte.

Stephan Gruber