Historische Kundgebungen am Heldenplatz

Druckversion

Der Heldenplatz diente im Lauf der Geschichte vielen Herren – als Aufmarschgelände und Kundgebungsplatz für ihre 'großen' Ideen.

Nach dem Ende der Habsburgermonarchie diente bereits Anfang der 1930er-Jahre der für große politische und symbolische Manifestationen angelegte Heldenplatz als Aufmarsch- und Kundgebungsplatz für die paramilitärische Heimwehr, für Zurschaustellungen eines Österreich-Patriotismus im „Ständestaat“ sowie Ansprachen des Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß.

Adolf Hitler kürte diesen Platz zum Ort seiner großen „Anschluss“-Kundgebung am Vormittag des 15. März 1938. Hier verkündete er von einem Balkon der Neuen Hofburg aus „vor der Geschichte“ den Eintritt seiner Heimat Österreich in das Deutsche Reich. In seiner Rede beschwor er auch die Tradition des alten Reiches mit Wien als Residenzstadt. So konnte er bei aller Abneigung gegen Wien und die Habsburgermonarchie mit ihrem „Nationalitätengemisch“ doch mithilfe der Symbole der monarchischen Macht die eigene Herrschaft als Fortführung dieser alten Traditionen inszenieren und damit legitimieren.

In diesem Sinne gab es sogar Absichten, das 1913 abgebrochene und von der Republik nicht weitergeführte Bauprojekt des Kaiserforums unter Rückgriff auf Gottfried Sempers Pläne wieder aufzugreifen und das Areal zu einem nationalsozialistischen Zeremonienplatz auszugestalten. Dabei sollte die Anlage allerdings um 90 Grad gedreht werden, um sie auf den Balkon, von dem Hitler im März 1938 seine Rede gehalten hatte, als Zentrum auszurichten. Skizzen zur Umgestaltung des Heldenplatzes hatte der junge Hitler – ein glühender Verehrer der Semper’schen Architektur – bereits in seiner Wiener Zeit gezeichnet.

Julia Teresa Friehs