Gängige medizinische Praktiken – Schröpfen, Ader lassen und Purgieren

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Schröpfen, Aderlassen und Purgieren waren gängige Methoden, um das Säftegleichgewicht wiederherzustellen.

 

In der Frühen Neuzeit wurden Krankheiten für Störungen im Körperhaushalt gehalten, den man – wie Welt und Kosmos – im Inneren im harmonischen Gleichgewicht glaubte. Damit wurde die Säftelehre Galens weitergeführt, nach der die vier Kardinalsäfte des Körpers − Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle − im Optimalfall in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander standen. Allfällige Stockungen und Stauungen mussten daher behoben werden. Als Universalmittel, den Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen, galt der Aderlass.

Er kam bei fast allen Krankheiten zum Einsatz und auch Gesunde ließen sich oft mehrmals pro Jahr zur Ader, um Krankheiten vorzubeugen. Bader und Barbiere erledigten dieses nicht ganz ungefährliche Geschäft. Mangelnde anatomische Kenntnisse führten bisweilen zur Öffnung beispielsweise der Pulsader und Entzündungen der Lasswunden verschlimmerten oft den Gesundheitszustand.

Auch das Schröpfen sollte eine Abfuhr überschüssiger Körpersäfte bewirken. Diese Methode war weniger gefährlich: Ein spezielles Glas wurde erhitzt und an den Körper angesetzt. Beim Abkühlen entstand Unterdruck und sollte schädliche Stoffe ableiten. Auch nach übermäßigem Alkoholkonsum kam diese Praktik zum Einsatz.

Magen und Verdauungstrakt hingegen wurden purgiert. Durch die Verabreichung von Brechmitteln oder die Anwendung von Klistieren sollte eine Reinigung des Körpers geschehen und so das Wohlbefinden wiederhergestellt werden.

In Badhäusern wurden Praktiken wie Baden, Schwitzen, Ausdünsten und Ausschütten auch zum gesellschaftlichen Ereignis.

 

Anita Winkler