An meine Völker 1

Untergang des Vielvölkerstaats und Neubeginn

Zielgruppe: 
ab 6. Klasse AHS

Im 1993 durchgeführten Volksbegehren „Österreich zuerst“ (von Gegnern als „Anti-Ausländer-Volksbegehren“ bezeichnet) formulierte die FPÖ unter ihrem damaligen Obmann Jörg Haider ein Forderungsprogramm an die österreichische Politik. Der erste der zwölf Punkte lautete: „Verfassungsbestimmung: Österreich ist kein Einwanderungsland“. Ein Blick in das viel zitierte Wiener Telefonbuch zeigt hingegen, dass Österreich auf eine lange Geschichte und Tradition als Einwanderungsland par excellence zurückschauen kann. In diesem Unterrichtsmodul werden Fragen des Vielvölkerstaats, der verfehlten Nationalitätenpolitik Kaiser Franz Josephs und des Endes der Monarchie mit starkem Bezug auf den aktuellen Diskurs um die Themen Migration und Integration aufgegriffen. Der Bogen spannt sich von den Familiennamen nichtdeutschen Ursprungs bei österreichischen Nationalratsabgeordneten bis zur Einschätzung der Nationalitätenpolitik Kaiser Franz Josephs. Angesprochen werden dabei auch die Anlässe für den Ersten Weltkrieg (die Ermordung des Thronfolgers in Sarajewo und das Ultimatums an Serbien) sowie der Wechsel von der Monarchie zur Republik (in einem autobiographischen Text der Schriftstellerin Hilde Spiel, in dem der Übergang aus Sicht eines Kindes als Befreiung und Chance wahrgenommen wurde).

Bezüge zur Welt der Habsburger: 
Lehrplanbezug: 

Bildungs- und Lehraufgabe:
Geschichte und Politische Bildung setzt sich mit politischen Fragestellungen der Gegenwart auseinander, die zur Entscheidung anstehen, auf die Einfluss genommen werden kann und die Konsequenzen für die Zukunft haben. Themen der Politischen Bildung haben meist eine historische Dimension, daher soll der Geschichtsunterricht insbesondere in der 7. und 8. Klasse zum Verständnis der Gegenwart beitragen.
Politische Bildung – Prozessuale Dimension: Bezieht sich im Sinne von Durchsetzung auf politische Akteure, Beteiligte, Betroffene, Konflikte und Konsens, Kampf, Machtausübung, Beschaffung von Legitimation, Entscheidungsprozesse, Interessen und ihre Durchsetzung.
Didaktische Grundsätze:
Breiter Raum ist dem Dialog zu geben. Was in Wissenschaft und Politik kontrovers ist, ist auch im Unterricht kontrovers darzustellen. Unterschiedliche Standpunkte, verschiedene Optionen und Alternativen sind sichtbar zu machen und zu erörtern.
Historisches und politisches Lernen soll mehr sein als eine rein intellektuelle Aneignung von Sach- und Fachwissen: Es geht auch um das Entwickeln eines individuellen Handlungsrepertoires für die politische Auseinandersetzung und Meinungsbildung (Sozialkompetenz). Lehrerinnen und Lehrer haben durch ihren Unterricht beizutragen, dass die Schülerinnen und Schüler politisch handlungsfähig werden. Dazu müssen diese lernen, selbst Erfahrungen zu machen, sich aktiv betätigen zu können, um die politische Wirklichkeit bewusst handelnd zu erschließen.
Handlungskompetenz meint in diesem Sinne vor allem die politikrelevante Methodenkompetenz der Schülerinnen und Schüler. Diese Kompetenz sollen sie in einem Unterricht erwerben, der praktisches, forschendes, problemlösendes, soziales, kommunikatives, projektartiges, produktorientiertes Lernen umfasst.

6. Klasse Lehrstoff:
Gestaltende Kräfte des 19. Jahrhunderts in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik und ihre Folgen bis 1918 (Nationalismus; Liberalismus; Konservativismus, Sozialismus; Industrielle Revolution; Ursachen und Folgen des Ersten Weltkrieges; etc.)
Instrumentalisierungen von Kultur und Ideologie in Politik und Gesellschaft (Geschichtsbilder und -mythen; historische Legitimationen; etc.)

7. Klasse Lehrstoff:
Politisches Alltagsverständnis – die verschiedenen Dimensionen und Ebenen von Politik, Formen und Grundwerte der Demokratie und der Menschenrechte, Motivationen und Möglichkeiten politischer Beteiligungs-, Entscheidungs- und Konfliktlösungsprozesse

8. Klasse Lehrstoff:
Rolle der Medien zwischen Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft (Medienpolitik, Medienstrukturen; Neue Medien; Cyberdemokratie; etc.)