Zita – bis zuletzt für „Gott, Kaiser und Vaterland“

Druckversion

Das lange Leben der letzten österreichischen Kaiserin war geprägt von den politischen Umwälzungen, die das Europa des 20. Jahrhunderts formten. Zita blieb aber stets ihren Grundsätzen treu: Bedingungslose Treue zur Römisch-Katholischen Kirche und die Verfechtung des Prinzips des Legitimismus, also der Unabsetzbarkeit des Herrscherhauses Habsburg-Lothringen.

Zitas Reaktion auf den Vorschlag einer Abdankung Kaiser Karls am 11. November 1918

„Niemals! Ein Herrscher kann seine Herrscherrechte verlieren. Das ist dann Gewalt, die eine Anerkennung ausschließt. Abdanken nie – lieber falle ich hier an Ort und Stelle mit dir – dann wird eben Otto kommen und selbst, wenn wir alle fallen sollten – noch gibt es andere Habsburger!“

Zitiert nach: Gordon Brook-Shepherd: Um Krone und Reich. Die Tragödie des letzten Habsburgerkaisers. Wien, München, Zürich 1968, S. 256

Zita entwickelte sich dank ihrer starken Willenskraft und Intelligenz zur bestimmenden Meinungsführerin in der Familie und wurde zur wichtigsten Stütze ihres Gatten Kaiser Karls I. Allgemein wurde ihr großer politischer Einfluss zugebilligt.

Nach dem frühen Tod ihres Gatten 1922 wurde Zita zum Vormund ihrer acht Kinder und hielt im Exil deren Ansprüche auf die Thronfolge aufrecht. Sie unterhielt rege Kontakte zu monarchistischen und klerikalen Kräften in den Nachfolgestaaten der Monarchie und betrieb Lobbying für die Interessen Habsburgs in Westeuropa. Als ihr ältester Sohn Otto im Jahre 1930 für großjährig erklärt wurde, war seine Position als Oberhaupt der Dynastie gefestigt. Dies war vor allem ein Verdienst Zitas, die zum Mittelpunkt des monarchistisch-legitimistischen Lagers in Mitteleuropa geworden war.

Ab September 1934 setzte Otto das von seiner Mutter begonnene Werk fort. Diese behielt jedoch im Hintergrund weiterhin die Rolle einer einflussreichen Beraterin. Die Exkaiserin unterstützte ihren Sohn, der eine führende Figur der legitimistischen Richtung des österreichischen Auslandswiderstandes gegen das NS-Regime war. 1943 wurde Zita als Vertreterin ihres erkrankten Sohnes zu Gesprächen mit US-Präsident Roosevelt geladen. Dies zeigt die Bedeutung, die man ihr in politischen Kreisen immer noch zumaß, wenn auch ihre Position als Exilherrscherin ihrem Auftreten in den USA eine gewisse „exotische“ Aura gab.

Eine Konstante im Leben der stets gemäß der streng katholischen Tradition in Schwarz gekleideten Witwe war ihr Engagement für den Seligsprechungsprozess ihres Gatten Karl. Ihren Lebensabend verbrachte die Exkaiserin im St. Johannes-Stift in Zizers (CH), einem kirchlichen Altersheim nahe der österreichischen Grenze. Nach Österreich einreisen durfte sie nicht, da sie sich weiterhin weigerte, die Verzichtserklärung und den damit verbundenen Austritt aus dem „Haus Österreich“ – darunter verstand man den Anspruch auf die Thronrechte der Kaiserdynastie – zu unterzeichnen.

Erst nachdem der Österreichische Verwaltungsgerichtshof 1980 in einem Erkenntnis die Meinung vertrat, dass nur Mitglieder des Hauses, die gemäß den Regeln des habsburgischen Hausgesetzes einen Anspruch auf den Thron hätten, eine Verzichtserklärung unterschreiben müssten, um einreisen zu können – Zita gehörte als angeheiratete Habsburgerin nicht dazu – war der Weg frei für die Einreise. Bundeskanzler Kreisky sprach sich für eine „menschliche Lösung“ aus, und so konnte Zita 1982 erstmals wieder österreichischen Boden betreten. Sie besuchte das Grab ihrer Tochter Adelheid im Tiroler Ort Tulfes und traf einige ihrer Enkelkinder in Innsbruck.

Der zweite Besuch wenige Monate später wurde von der Öffenlichkeit genauer verfolgt und hatte offizielleren Charakter: Zita traf mit dem steirischen Landeshauptmann Josef Krainer zusammen und unternahm eine Wallfahrt nach Mariazell. Später besuchte sie auch Wien, wo ihr zu Ehren ein von Kardinal Franz König geleiteter Festgottesdienst im Stephansdom veranstaltet wurde. Mehr als 10.000 Schaulustige fanden sich damals ein, um einen Blick auf die Exkaiserin werfen zu können.

Als sie 1989 mit 96 Jahren starb, wurde ihr Begräbnis gemäß den traditionellen Riten des Wiener Hofes zu einem touristischen Spektakel, aber auch zum Symbol der Versöhnung zwischen der Republik Österreich und dem Haus Habsburg-Lothringen.

Martin Mutschlechner