Rudolf I. von Habsburg: Ein "armer Graf" wird König

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Die Wahl Graf Rudolfs von Habsburg zum römisch-deutschen König beendete die Zeit des "Interregnums", als mehrere Könige nebeneinander regiert hatten.

Die Wahl Rudolfs von Habsburg zum römisch-deutschen König geschah zu einer Zeit, die oft als „Interregnum“ (Periode zwischen Herrschaften) bezeichnet wird: 1250 starb der staufische Kaiser Friedrich II., der als einer der bedeutendsten Herrscher des Hochmittelalters gilt. 18 Jahre später wurde Friedrichs Enkel Konradin in Neapel enthauptet, womit die Staufer ausstarben. Das Königtum war zu dieser Zeit zunehmend überfordert, Konflikte zwischen den Mächtigen standen an der Tagesordnung. Mehrere Könige konkurrierten um die Nachfolge Friedrichs II., es folgten Jahre adeliger Kleinkriege.

Auch Graf Rudolf von Habsburg war an diesen Konflikten beteiligt. Er hatte 1240 seinen Vater Albrecht beerbt und verwaltete einen Streubesitz zwischen Alpen, Schwarzwald und Vogesen. Militärische Gewalt war ein gängiges Mittel zur Aufrechterhaltung seiner Herrschaft. Bis in die 1260er Jahre stieg er zum mächtigsten Mann der Region auf; er war also keineswegs ein „armer Graf“. Einer Legende nach soll Kaiser Friedrich II. sogar sein Taufpate gewesen sein.

Als 1272 mit Richard von Cornwall einer der letzten Gegenkönige des Interregnums starb, wurde ein neuer mächtiger Herrscher gesucht. Der französische König Philipp III. „der Kühne“ und der böhmische König Ottokar II. Přemysl galten als mögliche Kandidaten, doch es gab keine Einigung. Papst Gregor X. drängte auf eine Entscheidung: Die Päpste hatten im Mittelalter großen Einfluss auf die Königswahl; zwischen Kaisern und Päpsten gab es deswegen zahlreiche Machtkonflikte. Gregor X. übertrug die Entscheidung nun den sieben Kurfürsten, die sich auf zwei neue Kandidaten einigten: Fürst Siegfried von Anhalt und Graf Rudolf von Habsburg.

Die Wahl fand am 29. September 1273 in Frankfurt statt und fiel zugunsten des 55-jährigen Habsburgers aus. Der Nürnberger Burggraf Friedrich von Hohenzollern, ein wichtiger Unterstützer Rudolfs, soll persönlich nach Basel zum Habsburger geritten sein, um ihm die Nachricht zu überbringen. Dieser stand dort gerade im Kleinkrieg mit Bischof Heinrich von Basel. König Rudolf I. wurde schnell populär, musste zur Absicherung seines Königtums aber einiges an ‚Unkosten‘ bezahlen: Die Kurfürsten erhielten Geldbeträge sowie zwei seiner Töchter, die bei der Wahl in Frankfurt gleich an Ort und Stelle mit ihnen verheiratet wurden. Einen Monat nach der Wahl folgte die feierliche Krönung in Aachen auf dem Thron Karls des Großen.

Stephan Gruber