1218–1291

Rudolf I.: Der Stammvater

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Mit Rudolf beginnen die meisten Stammbäume der Habsburger. Er gilt als Urvater der Dynastie, obwohl die Familie damals bereits zu den etablierten Adelshäusern Schwabens gehörte. Rudolf war also kein Newcomer, der aus dem Nichts auftauchte.

Das Geschlecht kann bis ins späte 10. Jahrhundert zurückverfolgt werden: Guntram „der Reiche“ gilt als der erste nachweisbare Vorfahre. Dessen Sohn Ratbod (gest. vor 1054) war der Gründer des Hausklosters der Familie, Muri im Aargau, dessen Chronik die wichtigste Quelle für die Geschichte der „Ur-Habsburger“ darstellt. Ratbods Enkel Otto nannte sich erstmals nach der Burg bei Brugg am Unterlauf des Flusses Aare „von Habsburg“.

Der Besitzschwerpunkt der Familie lag entlang des Rheins im Grenzgebiet der heutigen Staaten Schweiz, Frankreich und Deutschland. Im Oberen Elsass, wo die Habsburger Vögte des Bistums Straßburg waren, liegt wahrscheinlich der Ursprung des Geschlechts. Später konzentrierte sich die Familie beim Ausbau ihrer Hausmacht auf östlich davon gelegene Gebiete: die Besitzungen erstreckten sich von den Vogesen entlang des Oberrheins bis in den Züricher Raum.

Die Familie pflegte auch Beziehungen zur Kaiserdynastie der Staufer, zu deren Parteigängern sie gehörten. Eher unwahrscheinlich ist eine verwandtschaftliche Verbindung. Rudolfs Vater Graf Albrecht IV. war in Diensten der Staufer Hauptmann der Stadt Straßburg. Seiner Mutter Heilwig von Kyburg verdankte Rudolf den Zugriff auf die Besitzungen der aussterbenden Grafen von Kyburg, die über weite Gebiete im Thurgau südlich des Bodensees verfügten. Rudolfs Bruder Hartmann starb als Gefolgsmann der Staufer in Gefangenschaft in der Lombardei. Ein weiterer Bruder, Albrecht (V.), war Domherr in Basel, dessen Bistumslande sich mit den Besitzungen der frühen Habsburger überschnitten.

Rudolf betrieb eine konsequente Mehrung des Besitzes. Neben dem Erbe seiner Mutter brachte seine Heirat mit Gertrud von Hohenberg dem Geschlecht zusätzlichen Besitz im Elsass. Rudolf war somit ein bedeutender Feudalherr im alemannischen Raum mit beträchtlichem Einfluss. 

Martin Mutschlechner